Kassel

Dramatischer Mangel in Kitas: Nicht genug Plätze für Kinder

Kinder laufen in einer Kita durch den Flur
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Kita-Plätze sind Mangelware: Familien in Kassel beklagen, dass sie bisher vergeblich auf einen Kitaplatz warten. Der Vorwurf: Gerade Menschen in einkommensarmen Haushalten würden im Stich gelassen (Symbolbild).

Einen dramatischen Mangel an Plätzen in den Kitas gibt es in Kassel. Es ist nicht für alle Kinder Platz.

Kassel - Einen „großen Mangel an Kitaplätzen“ in Kassel und insbesondere in sozial angespannten Stadtteilen stellt der Ortsvorsteher von Rothenditmold, Hans Roth (Wählergemeinschaft AUF), fest. 

Nach seinen Schätzungen fehlen allein im Stadtteil Rothenditmold 200 Betreuungsplätze für Kinder unter sechs Jahren, Mehrfachmeldungen schon abgezogen. Für alle Kitas im Stadtteil gebe es lange Wartelisten, sagt die Elternbeiratsvorsitzende der Kita Zierenberger Straße, Julia Ambrolat. Das mache es vielen unmöglich, Kinder und Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen, vor allem Alleinerziehenden.

Roths Kritik deckt sich mit einer Erhebung der Goethe-Universität Frankfurt aus dem Jahr 2018, wonach in Kassel das Verhältnis der Kitakinder aus Familien ohne soziale Unterstützung und jenen aus Hartz-IV-Familien eklatant auseinanderdriftet: Danach lag die Betreuungsquote der Drei- bis Sechsjährigen bei insgesamt 89,4 Prozent, das der Gleichaltrigen aus Hartz-IV-Familien bei 20,3 Prozent.

Dramatisch geht die Schere bei den Unter-Dreijährigen auseinander: Hier werden in Kassel insgesamt 30,2 Prozent Kinder betreut; bei den Gleichaltrigen aus Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften liegt der Prozentsatz bei gerade mal 5,5 Prozent. Kassel hat damit die geringste Quote von Kitakindern aus Hartz IV-Familien in ganz Hessen. Zum Vergleich: In der Stadt Offenbach ist dieses Verhältnis bei 25,6 zu 26 Prozent und 85,2 zu 86,6 Prozent gerecht verteilt. Auch in Frankfurt sind die Kinder aus Familien, die vom Jobcenter abhängig sind, nicht so benachteiligt wie in Kassel.

Anders als in Kassel gibt es in Frankfurt ein zentrales Vergaberegister und eine Prioritätenliste, auf der beispielsweise Alleinerziehenden Vorrang eingeräumt wird. Sowohl die Beantragung als auch die verbindliche Vergabe eines Kitaplatzes ist außerhalb der entsprechenden Webseite nicht möglich, sagt Janine Mischev, Referentin im Frankfurter Bildungsdezernat.

In Kassel melden sich Familien dezentral in den Kitas direkt an. Diese entscheiden dann individuell, welche Kinder sie aufnehmen. (Christina Hein)

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