Keine Chance den Keimen

Marienkrankenhaus wird künftig alle Patienten auf multiresistente Erreger testen

Das Marienkrankenhaus führt als erstes Krankenhaus in Hessen Laboruntersuchungen bei allen Patienten auf multiresistente Keime ein: Unser Foto zeigt Sabine Aich (MTA), Dr. Andreas Bastian und Dr. Juliane Böttcher-Lorenz (von links). Foto: Schachtschneider

Kassel. Als erstes Krankenhaus in Hessen hat sich das Kasseler Marienkrankenhaus entschieden, künftig alle Patienten auf multiresistente Keime zu untersuchen.

Ab September soll bei jeder Aufnahme eines Erkrankten ein Abstrich gemacht werden. Dadurch erhofft sich das Marienkrankenhaus, die Ausbreitung der Erreger innerhalb der Klinik zu verhindern.

Als „eine Flucht nach vorn“, beschreibt Michael Schmidt, Geschäftsführer des Krankenhauses, die neue Praxis. Schließlich gehe es um das Wohl der Patienten. Denn multiresistente Keime werden in deutschen Kliniken zunehmend zum Problem. „Die Zahl der Personen, die bereits mit Erregern infiziert in ein Krankenhaus kommen, ist in der Vergangenheit gestiegen“, erklärt er.

Bei Menschen mit schweren Erkrankungen, wie sie vor allem auf den Intensivstationen zu finden sind, können die Keime wie beispielsweise das Bakterium MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) tödliche Infektionen auslösen. Bis zu 15 000 Menschen sterben nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene pro Jahr daran, sagt Dr. Markus Schimmelpfennig, stellvertretender Leiter des Kasseler Gesundheitsamts.

„Bisher hat jeder Patient einen Fragebogen ausfüllen müssen, um herauszufinden, ob er zur MRSA-Risikogruppe gehört“, berichtet Dr. Andreas Bastian, Chefarzt der Pneumologie und Leiter der MRE-Laboruntersuchungen. Personen, die besondere Kriterien (zum Beispiel Kontakt zu Tieren der Tiermast, kürzlicher Krankenhausaufenthalt, Kontakt zu Personen mit MRSA) erfüllten, wurden getestet: Das sind derzeit etwa 65 Prozent aller Patienten. Bei 2,2 Prozent von den Getesteten wurde MRSA festgestellt.

Doch das ging dem Marienkrankenhaus nicht weit genug. Bei den vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Fragebögen fielen andere multiresistente Bakterien durchs Raster, sagt Bastian: darunter multiresistente gramnegative Erreger, kurz MRGN. „Dieses Bakterium ist eine gefährlichere Zeitbombe als MRSA“, erklärt Dr. Juliane Böttcher-Lorenz, Fachärztin für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie sowie Leiterin des Labors am Marienkrankenhaus.

Diese Erreger können anders als MRSA nicht behandelt werden. Nur Isolation des Infizierten und strikte Hygiene können vor einer Ausbreitung schützen. „Doch isolieren könne man nur denjenigen, von dem man weiß, dass er infiziert ist“, sagt Chefarzt Bastian. Und deswegen werde nun jeder Patient getestet.

Hintergrund: MRGN - Neue Gefahr in Krankenhäusern

Zu den MRGN (multiresistenten gramnegativen Erregern) zählt eine Vielzahl von Bakterien, darunter auch Acinetobacter baumannii, das beispielsweise für den Hygieneskandal am Uniklinikum Schleswig-Holstein im Januar dieses Jahres verantwortlich war. 13 Patienten starben dabei. Die gramnegativen Erreger lösen eine Reihe von Infektionen aus. „Da der Kampf gegen multiresistente Erreger alleine nicht zu schaffen ist, haben sich Kliniken, Altenhilfe, aber auch ambulante Ärzte in der Region zu einem MRE-Netzwerk zusammengeschlossen“, erklärt Michael Schmidt, Geschäftsführer des Marienkrankenhauses. So hofft man, die Keime in den Griff zu bekommen.

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