Frau wurde nachts in Rothenditmold brutal überfallen

Nach Messerattacke auf Frau in Kassel: Opfer sagte vor Gericht aus

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Gut 1,90 Meter groß und sehr athletisch: Der 37-jährige Angeklagte aus Eritrea hockte zum Prozessauftakt regungslos da. Angaben zur Person machte der in Kassel lebende Mann nicht. Derzeit sitzt er in der JVA. 

Kassel. Überfallen und lebensgefährlich verletzt: Eine 28-Jährige war bei einem Überfall im Juli 2017 vor ihrer Haustür knapp dem Tode entronnen. Jetzt läuft das Gerichtsverfahren.

Angst, Verzweiflung, ein völlig auf den Kopf gestelltes Leben wurden gestern bei der Schilderung des heute 28-jährigen Opfers vor dem Landgericht spürbar. Die junge Frau war bei dem Überfall im Juli letzten Jahres vor ihrer eigenen Haustür nur knapp dem Tode entronnen.

In Begleitung eines Helfers des Weißen Rings hatte sie gestern als Zeugin so weit entfernt wie nur möglich vom Angeklagten im Gerichtssaal Platz genommen.

Der hünenhafte Mann aus Eritrea hatte die ganze Zeit über die muskulösen Arme auf der Anklagebank verschränkt, den glatt rasierten Kopf gesenkt. Kein einziges Mal schaute er die Zeugin an. Als das Gericht den Saal betrat, hatte er sich nur nach Aufforderung durch Pflichtverteidiger Peter Gros erhoben.

Nicht einmal Angaben zu seiner Person wollte der in Kassel lebende Mann machen, der bereits im Alter von etwa 14 Jahren nach Deutschland gekommen ist, seit 1996 sechs Vorstrafen auf dem Konto hat und auch schon im Gefängnis gesessen hat. Etwa zwei Wochen nach dem Überfall war er festgenommen worden, seither sitzt er in der JVA I in Wehlheiden.

Wohl alle im gut gefüllten Gerichtssaal konnten bei der Schilderung des Überfalls mitfühlen, was die nur 1,58 Meter große Frau durchleiden musste. Nach Mitternacht hatte die Kassiererin in einem Schnellrestaurant im Kulturbahnhof Feierabend und sich zu Fuß auf den Heimweg in die Frankenberger Straße in Rothenditmold gemacht.

Frau leidet bis heute unter Folgen des Überfalls

Als sie die Haustüre im Mehrfamilienhaus aufschloss, legte sich plötzlich von hinten eine große Hand aufs Gesicht. Der Täter habe gar keine Anstalten gemacht, nach ihrer Handtasche zu greifen, in der sich ohnehin nur fünf Euro und ein paar Schminkutensilien befunden hätten. Als sie anfing zu schreien, habe er sofort auf sie eingestochen.

Wenig später ließ er von ihr ab und lief davon. Das Opfer hat ihren Peiniger gar nicht gesehen. „Hilfe, ich blute“, habe sie geschrien. Nachbarn hätten versucht, mit Handtüchern die Blutung zu stoppen, bis der Notarzt eintraf und sie ins Krankenhaus gebracht wurde. Eine Notoperation rettete ihr das Leben.

Unter den Folgen leidet die junge Frau bis heute: Sie musste die Wohnung wechseln, hat Schmerzen in Lunge und Magen und an den Wundnarben, kann nicht mehr schlafen und ist in psychiatrischer Behandlung. An eine Arbeit in den Nachtstunden ist nicht mehr zu denken.

Urteil wird vermutlich am 9. März fallen 

Für die Verhandlung hat die 6. Strafkammer des Landgerichts mit Richter Volker Mütze an der Spitze noch vier Verhandlungstage angesetzt. Weiter geht es am kommenden Freitag, 23. Februar, um 9 Uhr. Mit dem Gutachten von Psychiaterin Birgitt von Hecker und den Plädoyers wird am 5. März, mit dem Urteil am 9. März gerechnet.

Lesen Sie auch, wie es der Retterin Romina Esposito ein halbes Jahr nach dem Vorfall ging und was sie rückblickend über die Nacht denkt.

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