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Henschel-Gelände wird umgebaut: Investor will 800 Wohnungen schaffen

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Von: Bastian Ludwig

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Neubauten sollen denkmalgeschützten Bestand ergänzen: Für den gläsernen Verbindungsbau in der Mitte ist ein Markthallenkonzept in Planung, das Nahversorger und einen Food-Markt vorsieht. Illustration: Sector Seven Investors
Neubauten sollen denkmalgeschützten Bestand ergänzen: Für den gläsernen Verbindungsbau in der Mitte ist ein Markthallenkonzept in Planung, das Nahversorger und einen Food-Markt vorsieht. Illustration: Sector Seven Investors © Sector 7

Das Henschel-Areal in Rothenditmold steht vor einem Umbruch. Das Berliner Unternehmen Sector 7 und die Kasseler Heindrich Immobiliengruppe entwickeln dort ein gemischtes Quartier mit 800 Wohnungen sowie Flächen für Gewerbe und Kultur.

Kassel - Am Donnerstag haben sie ihre Pläne für das „Lokale Kreativ-Quartier“ (LOKQ) vorgestellt, für das 2023 der Masterplan vorliegen soll.

Auf der Fläche von 10 Hektar, was 14 Fußballfeldern entspricht, soll ein Quartier für Wohnen, Arbeiten und Leben entstehen. Erstmals werden am früheren Industriestandort an der Wolfhager Straße Wohnungen entstehen. Diese werden den Schwerpunkt bilden und fast dreiviertel des Areals umfassen. Vorgesehen sind Wohnungen mit unterschiedlichen Größen und Grundrissen, sodass sich diese für verschiedene Zielgruppen eigneten, so der Investor.

Blick auf das Henschel-Areal: Im oberen Bereich verläuft die Wolfhager Straße.
Blick auf das Henschel-Areal: Im oberen Bereich verläuft die Wolfhager Straße. © Bastian Ludwig

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) sieht in der Entwicklung eine große Chance für Rothenditmold und die Stadt. Mit der städtebaulichen Vision gebe es nun einen ersten Aufschlag. Wobei Sector 7 verspricht, bei der Entwicklung des Henschel-Areals dessen historische Identität mit vorhandenen und künftigen Nutzern in Einklang zu bringen. „Bei der Planung stehen die Bedürfnisse künftiger Nutzer, Unternehmer und Realisierer im Mittelpunkt“, sagt Fritz Stoessel, Geschäftsführer von Sector 7.

Seit 25 Jahren liegen weite Bereiche des Areals brach. 1998 wurde die Henschelei mit der Auf- und Zergliederung von Thyssen-Henschel endgültig aufgegeben. Zwischenzeitlich gab es logistische Nutzungen und wechselnde Eigentümer. Technik- und Henschelmuseum, die Künstler des Netzwerkes Hammerschmiede, Kleingewerbe und die Skatehalle des Vereins Mr. Wilson sind dort aktuell beheimatet und sollen bleiben dürfen. Der Standort soll langfristig für die kulturelle Nutzung entwickelt werden, so Kulturdezernentin Susanne Völker.

Weitere Bestandteile des Konzeptes sind eine Nahversorgung, Gastronomie, eine Kita, Bildungsangebote und Mehrgenerationenwohnen.

Die denkmalgeschützten Hallen werden nicht in Gänze erhalten – welche Teile abgerissen werden, darüber wird mit der Stadt noch verhandelt. Der Bestand soll durch klimafreundlichen Neubau ergänzt werden. Freiflächen sollen für Gartenflächen entsiegelt werden. Ziel ist ein CO2-neutrales Quartier. Zum Investitionsvolumen will sich der Investor noch nicht äußern.

Nolda und Völker unterstützen Vorhaben

Bei der Präsentation der Pläne für das Henschel-Areal in Rothenditmold herrschte gestern ausgelassene Stimmung. Die Investoren gaben sich optimistisch und auch Kulturdezernentin Susanne Völker (parteilos) und Baudezernent Christof Nolda (Grüne) gaben einen positiven Ausblick auf die Entwicklung des Standorts.

Doch bis die ersten Mieter auf dem Gelände einziehen können, sind noch einige Hürden zu überwinden. Im ersten Schritt soll bis Sommer 2023 ein Masterplan vorliegen, über den die Stadtverordneten beschließen sollen. Anschließend werden für die Neubauten Bebauungspläne erstellt. Wegen des großen Bauvolumens wird es mehrere Pläne für unterschiedliche Bauabschnitte geben, die einzeln beschlossen werden sollen. Frühestens 2024 könnte dann mit den ersten Neubauten begonnen werden. Allerdings hat Sector 7 angekündigt, bereits früher mit einer Sanierung des Bestandes beginnen zu wollen. Dafür wären keine planungsrechtlichen Schritte nötig.

Der Großteil der 800 Wohnungen soll in Neubauten entstehen, so Fritz Stoessel, Geschäftsführer von Sector 7. Diese sollen zum einen auf Freiflächen gebaut werden, aber es sei auch geplant, Teile der historischen Hallen abzureißen, um das Projekt „Lokales Kreativ-Quartier“ (LOKQ) umzusetzen. „Die Hallen stehen alle unter Denkmalschutz“, so Stadtbaurat Nolda. Es sei eine nicht ganz einfache Abwägungsfrage. Es gehe letztlich darum, das historische Gesamtbild zu erhalten und gleichzeitig eine Perspektive für das Areal nicht zu behindern. Darüber sei man mit dem Investor im konstruktiven Austausch.

„Wir werden das Denkmal behutsam entwickeln“, versprach Stoessel. Allein schon aus dem Nachhaltigkeitsgedanken heraus sei es Anliegen seiner Firma, möglichst viele der Bestandsgebäude weiter zu nutzen. Dort soll vor allem Platz für Gewerbe und Kultur sein.

Als Interimsstandort für das Opernhaus im Gespräch: Blick in eine der historischen Hallen.
Als Interimsstandort für das Opernhaus im Gespräch: Blick in eine der historischen Hallen. © Bastian Ludwig

Nolda schwärmte von der Lage des Quartiers in einem jungen und internationalem Stadtteil mit Nähe zur Hochschule. Auch die geplante Tram-Anbindung nach Harleshausen sei ein Faktor. Der Stadtbaurat gab sich optimistisch, dass eine Entwicklung schneller vorankommt als bei der Salzmannfabrik in Bettenhausen.

Die aktuelle Krise sei kein Problem für das Projekt in Kassel, so Stoessel. „Wir handeln mit dem eigenen Kapital der beteiligten Investoren.“ Sector 7 aus Berlin investiert deutschlandweit in die Entwicklung von Grundstücken und Immobilien. Das Portfolio umfasst nach eigenen Angaben 18 Projekte mit einem Volumen von über einer Milliarde Euro.

Weil der Umbau in Rothenditmold etliche Jahre dauern wird, gibt es Überlegungen für Zwischennutzungen. Konkrete Gespräche gebe es mit dem Staatstheater, so Kulturdezernentin Völker. Für die Zeit des bevorstehenden Umbaus des Opernhauses könnte dies in einer der alten Henschelhallen untergebracht werden. Es liefen dazu Gespräche.

Die aktuellen Nutzer aus dem Kulturbereich sollen bleiben dürfen – allerdings wird es Umzüge innerhalb des Geländes geben. Das Netzwerk Hammerschmiede kritisiert, dass man in die Planungen nicht ausreichend einbezogen werde. „Wir fordern Kommunikation auf Augenhöhe“, so Tobias Böhm vom Vorstand des Netzwerks. (Bastian Ludwig)

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