Umgestaltung der Fläche an der Wolfhager Straße

Großprojekt für neue Wohnungen in Rothenditmold in Aussicht

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Liegt größtenteils brach: Die Fläche zwischen Wolfhager Straße und Maybachstraße unmittelbar vor den Drei Brücken. Gegenüber sind die Lebensmittelmärkte Edeka und Lidl.

Kassel. Die Stadt Kassel plant neuen Wohnraum entlang der Wolfhager Straße in Rothenditmold. Auch Büro- und Gewerbeflächen sollen auf 70.000 Quadratmetern angesiedelt werden.

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) spricht von einer positiven Entwicklung für den Stadtteil. „Es handelt sich hierbei um ein lukratives, gut angebundenes Grundstück“, sagt Nolda. 

Der Aufstellungsbeschluss der Stadt umfasst die gesamte Fläche an den Drei Brücken zwischen der Wolfhager Straße im Süden, der Maybachstraße im Norden und der Bahnanlagen im Westen – also nicht nur das frühere Grabeland, sondern auch die bestehenden Gewerbeflächen und Wohnbebauung an der Maybachstraße. 

Jahrzehntelang waren auf der sogenannten Blüthlinde zahlreiche Kleingärten, der Großteil gehörte der Clasen GmbH, die auch den gleichnamigen Gewerbepark im Stadtteil betreibt. Diese Flächen wurden allerdings bereits vor Jahren aufgegeben. Die Clasen GmbH will das Gelände an einen Investor verkaufen. 

Verwildert: In vielen der Kleingärten liegt mittlerweile jede Menge Müll und Unrat.

Ortsvorsteher Hans Roth sieht die Entwicklung des Geländes positiv. Vor allem mit Blick darauf, dass die an die Blüthlinde angrenzenden Drei Brücken in den nächsten Jahren saniert werden und möglicherweise dann eine Tramlinie bis nach Harleshausen fahren könne. Eine Umgestaltung sei in jedem Fall zum Vorteil, allerdings müsse auch ein Teil der „grünen Lunge“ erhalten bleiben.

Kaum jemand, der über die Wolfhager Straße von Rothenditmold Richtung Harleshausen fährt, weiß, was sich jenseits der Böschung in unmittelbarer Nähe von Edeka und Lidl versteckt – nämlich eine Brachfläche, in einer Größe, die sich unbebaut im Stadtgebiet kein zweites Mal findet.

Auf dem früheren Grabeland waren zahlreiche Kleingärten – eine der Frischluftschneisen des Stadtteils, nennt es Ortsvorsteher Hans Roth. Der Großteil der Gärten gehört der Clasen GmbH. Die Gärten liegen jetzt brach und sind verwildert. Zuletzt gab es mehrere Brände – Ruinen einer Gartenlaube zeugen davon. „Wir wollen die Fläche verkaufen“, sagt die Geschäftsführerin des Gewerbeparks Clasen Christine Weber. Es gäbe bereits Anfragen von Interessenten. Vor Jahren habe es mal Überlegungen gegeben, Teile des Gewerbeparks Clasen auf die Blüthlinde zu verlagern, das sei aber verworfen worden.

Hier befindet sich das Gelände:

Bislang gibt es laut der Stadt Kassel auf dem Gelände kein Baurecht. Bei der Aufstellung des Bebauungsplans werden daher nicht nur die Kleingärten, sondern auch die angrenzenden Wohnhäuser und die Gewerbeflächen in der Maybachstraße miteinbezogen. Auch müsse geklärt werden, wo öffentliche Wege die Flächen verbinden könnten, so Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Bislang sieht der Aufstellungsbeschluss entlang der Wolfhager Straße Büroflächen und Gewerbe vor, im hinteren Teil Wohnbebauung.

Doch nicht die ganze Blüthlinde ist im Besitz der Clasen GmbH. Es gibt noch weitere Gartenflächen, die zum einen der Stadt und zum anderen der Deutschen Bahn gehören.

Wollen ihre Gärten behalten: Edelgard und Ralf Freimark (rechts) mit Ortsvorsteher Hans Roth. Fotos: Kathrin Meyer 

Ralf Freimark und seine Mutter Edelgard haben seit Jahrzehnten hier Gartengrundstücke auf den Flächen der Stadt gepachtet. Südländische Palmen, mehrere Meter hohe Bambus-Büsche: Ein bisschen fühlt man sich wie im Urwald, wenn man die Gärten der Freimarks betritt. Beim Blick auf die unterschiedlichen Sitzecken und Grillmöglichkeiten wird schnell deutlich, wie viel Arbeit in den beiden knapp 800 Quadratmeter großen Grundstücken steckt.

„Die Umgestaltung der Blüthlinde ist seit mehreren Jahren ja immer mal wieder im Gespräch“, sagt Ralf Freimark. Da mache man sich natürlich Sorgen, wie es weitergehe mit der Fläche. „Meine Mutter hat den Garten seit 40 Jahren, meinen habe ich seit über 20 Jahren, das möchte man nicht einfach aufgeben.“

Hinzu kommt: Die Flächen der Stadt fallen nicht unter das Kleingartengesetz, sodass dort nicht die Drittelregelung gilt, die besagt, dass zu gleichen Teilen Obst und Gemüse, Blumen und Ziersträucher und Rasen oder eine Laube Platz finden müssen. „Wir hatten hier immer freie Hand“, sagt Freimark.

Sorgen machen sich auch die Anlieger der Werkstätten auf dem Gelände der Maybachstraße 3. Die Fläche ist bereits von einem Investor gekauft worden. Die Erhöhung der Mieten zwingt die meisten der langjährigen Betriebe zur Aufgabe, andere haben nach HNA-Informationen bereits die Kündigung für ihre Räume auf dem Gelände bekommen. Eine Überlegung von Investor Rifat Osmanaj ist, auf dem Gelände ebenfalls Wohnungen zu bauen. Sicher sei das aber noch nicht, sagt er.

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