Rummelplatz als Filmstar

Dreharbeiten für „Dream Labyrinth“: 100 Komparsen machten am Set mit

Gleich läuft die Kamera: Alejandro Mancera (vorn von links) und Frank Schwaiger geben dem Clown Tim Tölke und zwei „Bären“ Anweisungen für die nächste Szene. Unter den Fellen verbergen sich Caro Lühning und Isabelle Heathcote. Foto: Dilling

Kassel. Auf der verwilderten Wiese hinter der Hammerschmiede in Rothenditmold scheint die Zeit für einen Tag um 100 Jahre zurückgedreht zu sein. Der Anlass: Die Dreharbeiten für den Film „Dream Labyrinth“.

Ein altes Karussell mit grell geschminkten Clowns auf hölzernen Pferden dreht sich, an der Schießbude wird heftig geballert, ein Wahrsager schaut in seine Kugel, der stärkste Mann der Welt lässt seine Muskeln spielen. Das ist der Traum von einem Rummelplatz, wie ihn frühere Generationen liebten.

Jetzt war das die Kulisse für den Abschlussfilm des mehrfach preisgekrönten Kurzfilmers Jan Riesenbeck und des angehenden Kameramanns Christoph Neugebauer an der Kunsthochschule Kassel. Der Dreh auf dem früheren Industriegelände war für 100 Komparsen die Chance zu erleben, wie es am Filmset zugeht. „Es ist cool, bei Dreharbeiten mitzumachen“, sagt Antonia Dahlmeier (15). Sie und ihre gleichaltrige Schulkameradin Anna Lenz von der Albert-Schweitzer-Schule spielen sich mit der Puppe des Bauchredners Gerrit Reinecke, der professioneller Mime an der Kasseler Schauspielschule ist, Luftballons zu.

Wenige Meter weiter übt ein grell geschminkter Komparse mit schwarzem Zylinder Jonglage mit Bällen. Daniel van Westen, Trickfilm-Student an der Kunsthochschule, kann hier endlich einmal sein Hobby vor großer Kulisse präsentieren. „Diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen“, sagt er. Hoch über seinem Kopf kreist eine ferngelenkte Drohne, die die Filmaufnahmen dokumentiert. Regisseur Riesenbeck und Neugebauer wechseln von einer Drehszene zur nächsten, diskutieren konzentriert jede Einstellung.

Kulisse für Traumwelt

Nicht nur Schauspieler sind am Set im Einsatz. 70 angehende Produktdesigner, Architekten und Angehörige weiterer Studiengebiete der Universität Kassel haben den Rummelplatz gebaut und ausgestattet. Dieser ist nur die Kulisse für eine Traumwelt aus collageartigen Bildern für die Geschichte von einem Vater, der auf dem Rummel seinen Sohn sucht. Ein Film, das sei heute nicht mehr nur die Sache von Schauspielern, sondern ein Produkt, zu dem viele Kreative beitragen, sagt der Student und Produktionsleiter Samuel Nerl, während er mit seinem Assistenten, dem Kasseler Filmemacher Juan Mora Cid, Würstchen für hungrige Mimen grillt. In Kassel werde es den Kreativen leider immer schwerer gemacht, sagt Daniel Weick: „Es ist schlimm, dass uns immer mehr Räume für die Kunst genommen werden.“

Der neue Film von Riesenbeck soll in Kassel nächstes Jahr Premiere feiern. Ein Termin steht noch nicht fest. (pdi)

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