Tauziehen zwischen Mieter, Hausbesitzer und Stadt Kassel

Schädlingsplage in Rothenditmold: Jagd auf eklige Schaben

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Kakerlaken-Alarm: Im Erdgeschoss dieses Hauses herrscht Schabenplage. Der Besitzer (rechts) will anonym bleiben.

Kassel. Ein monatelanges Tauziehen zwischen Mieter, Stadt Kassel und Eigentümer um die Jagd auf Küchenschaben hat in Rothenditmold sein vorläufiges Ende gefunden. Der Hausbesitzer hat nun reagiert und einen Kammerjäger beauftrragt. Die Kosten will er aber von der Stadt wiederhaben. Die habe schließlich alles schlimmer gemacht.

Sie sind schmal, lang, dunkel und einfach eklig anzusehen: Robert Fahrenbach, geprüfter Schädlingsbekämpfer - im Volksmund auch Kammerjäger genannt - schaut zufrieden auf ein mit Lock- und Klebstoff präpariertes Stück Pappe, auf dem sich einige Küchenschaben verfangen haben. Das sind Insekten, die gefährliche Krankheiten auf Menschen übertragen können. Fahrenbachs Mitarbeiter verteilt ein Gel an den Fußleisten der Mietwohnung. Dieses soll den restlichen Schaben den Garaus machen.

Monatelange Querelen 

Der erfolgreichen Jagd auf die Krabbeltiere gingen viele Schriftwechsel und einige Ortsbesichtigungen voraus. Der Hausbesitzer, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, sagt, die Stadt habe ihn „für dumm verkauft“, getäuscht und sich von Anfang an nicht um eine konsequente Vernichtung der Insekten gekümmert. Die Stadt wiederum weist das zurück.

Stichwort: Schaben

Ausgewachsene Küchenschaben können bis zu 16 Millimeter lang werden. Durch ihren Kot können sie Tuberkuloseerreger und Salmonellen übertragen. Die Insekten sind nachtaktiv und leben die meiste Zeit des Tages in Verstecken. Auf eine entdeckte Schabe können 200 versteckte Tiere kommen, heißt es auf der Internetseite einer großen Schädlingsbekämpfungsfirma. Bei der Bekämpfung sei Eile geboten, weil sich Schaben rasend schnell durch die Rohrleitungssysteme in einem Haus verbreiten könnten. (pdi)

Alles begann in November vergangenen Jahres: Der gesetzliche Betreuer des betroffenen Mieters wandte sich an das Gesundheitsamt, weil er die ekligen Tiere in dessen Wohnung an der Naumburger Straße entdeckt hatte. Ein Mitarbeiter des Amtes bestätigte den Verdacht: Es waren Schaben, auch Kakerlaken genannt. Der Mieter, der auf Sozialhilfe angewiesen ist, wurde aufgefordert, die Schädlinge zu beseitigen.

Was sich danach abspielte, ist zwischen Hausbesitzer und Stadt umstritten. Zwischenzeitlich seien keine Schaben mehr feststellbar gewesen, teilt die Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit. Im Juli entdeckte das Gesundheitsamt jedoch wieder Krabbeltiere. Er habe einige tote Schaben und eine lebende gefunden, heißt es in einem Schreiben. Der Mieter bringe manchmal Sachen vom Spermüll mit, dadurch komme es „vereinzelt“ zu einem „minimalen Schädlingsbefall“, den der Mieter selbst bekämpfe.

Auch die Mieter der Nachbarwohnung gaben nun an, von den Schaben Besuch erhalten zu haben. Drei weitere Wohnungen in dem Elf-Parteien-Haus seien betroffen, behauptet der Besitzer. Die Schaben seien, anders als die Stadt behauptet, nie ordentlich bekämpft worden. Im Frühjahr habe er sie selbst krabbeln sehen. „Meine übrigen Mieter laufen jetzt Amok“, sagt der Mann. Er wirft der Stadt vor, ihn nicht sofort informiert zu haben. Damit habe sie alle Mieter im Haus einer Gesundheitsgefahr ausgesetzt. Stadtpressesprecher Ingo Happel-Emrich weist das zurück. Man habe sich von Rechts wegen zunächst an den Mieter halten müssen. Später hatte die Stadt mündlich mit Ersatzvornahme gedroht.

Das sagt der Sachverständige

Oft eingeschleppt 

Die Stadt Kassel verzeichnet nach Auskunft ihrer Pressestelle im Schnitt pro Jahr 36 Fälle, in denen das Gesundheitsamt wegen Schädlingsbefall eingreifen muss. Robert Fahrenbach, IHK-geprüfter Sachverständiger sagt, dass, die tatsächliche Zahl der Einsätze von Kammerjägerndeutlich höher sei, Zahlen könne er nicht nennen, er wisse das aber aus seiner Erfahrung als Kammerjäger. Schädlingsbefall könne durch mangelnde Hygiene entstehen. Aber auch die Globalisierung trage dazu bei.

Meistens würden Schädlinge durch Lebensmittel eingeschleppt, darunter immer häufiger auch exotische Schädlinge. Ein Arzt aus dem Landkreis habe beispielsweise den Kammerjäger bestellen müssen, weil er unbemerkt aus dem Urlaub auf den Philippinen Kakerlaken mitgebracht hatte. Schaben müssen innerhalb von sechs Wochen zwei Mal bekämpft werden. Nur so könne man den aus den Eiern der bereits vernichteten Tiere geschlüpften Nachwuchs vernichten, sagt Fahrenbach.

Von Peter Dilling

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