Schillerviertel erfindet sich neu: Kunst statt Prostitution und Drogen

Industriekritik in der Sickingenstraße: Hier stecken die Menschen ihre Köpfe in Würfel. Was bleibt sind qualmende Schornsteine.

Rothenditmold/Nord-Holland. Kassels Rotlichtviertel vollzieht einen Imagewechsel. Drogen, Kriminalität und Prostitution - diese Assoziationen mit dem Schillerviertel sollen bald der Vergangenheit angehören.

Dafür kämpfen seit über einem Jahr internationale und lokale Künstler. Ihre Waffen: Farbe, Pinsel und Sprühdose. In einem langfristig angelegten Kunstprojekt gestalten sie große freie Wandflächen im Quartier mit Graffiti und Malerei. Am Samstag, 24. September, werden die Arbeiten im Zuge des Kunstrundgangs „naturban“ vorgestellt.

Das jüngste Wandkunstwerk: Ein hexagonaler Würfel in der Wolfhager Straße. Fotos: Wendt

Los geht es um 16 Uhr. Kurator Dustin Schenk führt durch das Viertel und stellt die Wandmalereien vor. Eine Streetdance-Performance tanzt anschließend vom Foto-Motel zur Sickingenstraße. In dem Foto-Motel wiederum stellt Pitze Eckart Fotografien zum Verhältnis von Natur und Urbanität aus. Das sind nur drei der zahlreichen Programmpunkte beim „naturban“ (Weitere, siehe rechts). Der Graffiti-Rundgang im Viertel entsteht seit 2015. Dustin Schenk initiierte und begleitet das künstlerische Projekt: „Es geht uns vor allem um die kreative Stadtteilentwicklung. Im Kiez schlummert großes Potenzial. Das wollen wir ausschöpfen“, sagt der Vorsitzende des Vereins „SchillerViertel“. Die Wandmalereien schaffen eine kreative und stilistische Atmosphäre. So sollen die Wohn- und Lebensbedingungen nachhaltig verbessert werden. Bereits zehn Fassaden wurden zwischen dem Kulturbahnhof, der Wolfhager Straße und dem Holländischen Platz verschönert. Und das Konzept breitet sich weiter aus.

„Schon bald können wir in Kassel über eine wirkliche Galerie im öffentlichen Raum sprechen und damit international werben“ sagt Schenk. In Städten wie Berlin und London haben sich Wandmalerei-Rundgänge längst zu Tourismuszielen entwickelt: „Hoffentlich besitzt das Schillerviertel irgendwann eine ähnliche Anziehungskraft“, so Schenk.

In der Zukunft sollen immer mehr Projekte angegangen werden. Bereits jetzt sind sechs neue Wandmalereien geplant - weitere Bausteine im Mosaik eines farbenfrohen Viertels.

Wer seine Hauswand zur künstlerischen Neugestaltung zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei Schenk melden unter E-Mail: kontakt@dustinschenk.de. (pjw/mad)

Programm in Auszügen 

16 und 18 Uhr: Führung zu Graffiti-Arbeiten mit Dustin Schenk. 

16.30 Uhr: Streetdance vom Foto-Motel bis zur Sickingenstraße. 

17 Uhr: „Drehmomente“-Performance im Kunst-Balkon.

17.30 und 19.30 Uhr: One-Man-Music-Show mit Markus Walach im Schiller-Carrée. 

18 Uhr: Aktion im Keramik-Atelier Nasira Turganbay. 

18.30 Uhr: „Etüde für Luftpolsterfolie“-Performance im Schiller-Carrée. 

19 Uhr: „Bier-Inhalator“-Performance im Foto-Motel. (mad)

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