Bundeswettbewerb der Kleingärten im  Verein Döllbach-Aue

Kassels Kleingärtner wollen deutsche Meister werden

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Die siebenköpfige Jury bei der Inspektion: Zwei Stunden verbrachten die Experten in der Kleingartenanlage. In zwei Wochen besichtigt das Gremium 20 Gärten für den Wettbewerb.

Kassel. Alle vier Jahre findet nicht nur die Fußball-WM statt – auch die Kleingärten kämpfen in diesem Turnus um die deutsche Meisterschaft. Diesmal auch in Kassel.

Für den diesjährigen Wettbewerb hat sich der Kasseler Kleingartenverein Döllbach-Aue in Rothenditmold qualifiziert, der sich bereits auf Landesebene durchsetzen konnte. Am Wochenende war eine siebenköpfige Expertenjury vor Ort, um die Anlage zu inspizieren. Gepunktet wurde aber nicht mit schönen Gartenzwergen.

Die Aufregung war groß, als am Samstag die Juroren mit dem Bus am Kleingartengelände vorfuhren. Denn Kassel hat einen Titel zu verteidigen. Vor vier Jahren holte der Kleingartenverein Mattenberg eine Goldmedaille beim Wettbewerb, der von der Bundesregierung und dem Bundesverband Deutscher Gartenfreunde organisiert wird.

Nun sind die Jurymitglieder, darunter Gärtnermeister, Naturschützer und eine Vertreterin des Innenministeriums, abermals 3500 Kilometer durch die Republik unterwegs, um aus 20 Kleingärten die besten zu küren. Mit Kameras und Notizblöcken bewaffnet, streiften sie zwischen den 137 Parzellen hindurch. „Wir schauen nicht, ob alles im rechten Winkel steht, sondern achten auf Dinge wie Artenvielfalt und den sozialen Zusammenhalt der Kleingärtner“, sagt Gärtnermeister Thomas Kleinworth.

Auch wenn sich die Juroren nicht in die Karten schauen ließen, war ersichtlich, an welchen Stellen die Döllbach-Aue punkten konnte: So beheimatet der 1939 gegründete Verein einen Schulgarten, ein Feuchtbiotop, zwei Projektgärten für Langzeitarbeitslose, einen Mehrgenerationengarten und einen Hundegarten.

Die älteste und kleinste Gartenhütte des Vereins: Slavnic Zoran kümmert sich um den Schulgarten des Kleingartenvereins, der von den Kindern der Valentin-Traudt-Schule genutzt wird. Im Schulgarten steht das 1941 erbaute Gartenhaus.

Aber auch die ökologischen Kriterien schienen zu überzeugen: So sind Unkrautvernichter und Insektenbekämpfungsmittel verboten. Zudem gibt es einen Imker sowie Insektenhotels. „So etwas ist uns wichtig, da die Kleingärten in den Städten wichtige Rückzugsräume für Insekten sind“, sagt Juror und Gartenexperte Kleinworth.

Im Fokus der Bewerter stand auch die sogenannte Drittelteilung. In Kleingärten muss ein Drittel der Fläche für den Anbau von Obst, Salat und Gemüse genutzt werden – so sieht es das Bundeskleingartengesetz vor. Ein weiteres Drittel ist für die Laube bestimmt und der Rest für Rasen und Blumen. Wer das Gleichgewicht nicht einhält, muss mit Punktabzug rechnen.

Auch der soziale Zusammenhalt wurde von der Jury abgeklopft: Wie viele Kleingärten ist der Verein Döllbach-Aue zum Begegnungsort zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund geworden. Es war herauszuhören, dass die Migranten begeisterte Kleingärtner sind, jedoch die deutschen Kleingartenregeln für manchen noch eine Herausforderung sind. „Da müssen wir noch weiter zusammenwachsen“, hieß es aus dem Vorstand des Vereins. Die Nachfrage nach Kleingärten – auch von jungen Familien – sei groß, weshalb es nur eine Handvoll Leerstände gebe. Dies gelte für alle 35 Kasseler Kleingartenanlagen, sagt der Vorsitzende des Stadt- und Kreisverbandes der Kleingärtner, Karl-Heinz Emmeluth.

Nun ist Geduld nötig: Am 1. Dezember wird in Berlin verkündet, ob die Kasseler eine Medaille abräumen konnten.

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