Trainer Eric Weiligmann über den Stützpunkt für Skateboarder in Kassel

Für Olympia wird jetzt auch in Kassel trainiert

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Dazu gehört mehr als nur auf einem Brett rollen: Für Eric Weiligmann ist Skateboard-Fahren ein Lebensgefühl.

Kassel. Eric Weiligmann ist Trainer am Regionalstützpunkt für Skatenboarder in Kassel. Mit uns sprach er über seine Ziele und die Perspektiven für die Kesselschmiede.

2020 wird Skateboarden erstmals olympisch. Um optimale Trainingsbedingungen zu schaffen, werden in Deutschland fünf Trainingsstützpunkte eingerichtet. Einer davon ist seit Februar in der Kesselschmiede im Kasseler Stadtteil Rothenditmold. 

Herr Weiligmann, in Kassel trainieren bald vielleicht zukünftige Olympiasieger – klingt das nicht irgendwie unwirklich?

Weiligmann: Wenn man das Wort hört, vielleicht ein bisschen. Aber mit Blick darauf, dass es in Kassel aktuell die besten Trainingsvoraussetzungen für Skater aus den Bundesländern Hessen, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gibt, ist es durchaus möglich, dass hier bald Talente fahren, die auch bei Olympia eine Medaille gewinnen können.

Wie sieht Ihre Arbeit als Regionaltrainer konkret aus?

Weiligmann: In den Regionen gibt es Aufbaukader, einen davon betreue ich hier in Kassel. Am Stützpunkt trainieren Talente aus den vier Bundesländern. Meine Aufgabe ist es, talentierte junge Skater zu erkennen und mit ihnen zu trainieren. Heißt konkret: Man skatet zusammen und bereitet sich auf Wettbewerbe vor. Die Jugendlichen sind zwischen zehn und 16 Jahre alt. Nun haben sie die Möglichkeit, in den Perspektivkader zu kommen, in dem das Nationalteam trainiert. Das sind die Sportler, die sich für Olympia qualifizieren können. Aktuell ist leider noch niemand aus Nordhessen dabei.

Was ist Skateboard-Fahren für Sie?

Weiligmann: Skaten ist nicht einfach nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern ein Lebensgefühl. Es geht nicht nur um das Fahren an sich, sondern man ist auf dem Board mit Freunden unterwegs und lernt dabei neue Leute kennen. Auch wenn man Skater in anderen Ländern trifft, hat man sofort das Gefühl, als würde man sich schon ewig kennen.

Das klingt jetzt nicht unbedingt nach Hochleistungssport?

Weiligmann: Doch. Und dadurch, dass Skaten jetzt olympisch wird, rückt das Sportliche noch mehr in den Fokus und damit die Sportart aus der Nische in die Öffentlichkeit. Was manchmal vielleicht als bloßes Herumrollen belächelt wurde, bekommt so mehr Akzeptanz von außen. Auch wenn Skaten jetzt trainieren heißt – das besondere Gefühl, das Skaten ausmacht, das bleibt.

Wie lange fahren Sie schon Skateboard?

Weiligmann: Zum Skaten bin ich vor mehr als zwölf Jahren durch meinen großen Bruder gekommen, der hat mich mitgenommen. Früher hat man sich Skaten auf der Straße selbst beigebracht. Ich hab mir die Tricks von Älteren abgeschaut, die das schon besser konnten.

Und das ist heute anders?

Weiligmann: Nicht unbedingt, aber die Szene ist vielfältiger geworden. Zum einen steht die Ästhetik im Vordergrund. Dann gibt es die sportlichen Wettbewerbe. Genauso gehören Filmen und Fotografieren seit Jahrzehnten zur Skateboard-Kultur. Durch die Sozialen Netzwerke hat dieser Aspekt in den vergangenen Jahren einen neuen Boom erlebt.

Wie sind Sie nach Kassel gekommen?

Weiligmann:Ich kannte die Stadt und die Halle vom Skateboard-Verein Mr. Wilson schon vorher und hab mich deshalb vor drei Jahren um einen Studienplatz in Kassel beworben. Als dann die Zusage der Uni kam, war das perfekt. So eine Halle zu haben, ist Luxus. Das gibt es nicht überall. Mittlerweile ist der Kasseler Skateboard-Verein Mr. Wilson für mich wie eine große Familie. Vor allem die ehrenamtliche Arbeit stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Was bedeutet es für Mr. Wilson und die Kesselschmiede, dass dort jetzt ein Regionalstützpunkt für Skateboarder ist?

Weiligmann: Das bedeutet, dass wir zukünftig eine bessere Position haben, wenn es um Verhandlungen für Fördermöglichkeiten geht. Vielleicht auch mit Blick auf den Mietvertrag für die Halle.

Ist Kassel der einzige Stützpunkt und welche Trainingsmöglichkeiten gibt es?

Weiligmann: Insgesamt soll es mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020 fünf Regionalstützpunkte geben. Skateboarden wird dann erstmals olympisch sein. Bislang gibt es in Deutschland noch einen Stützpunkt in Stuttgart und einen in Leipzig. Über die weiteren Standorte wird noch entschieden.

Für welchen Zeitraum werden die Stützpunkte bestimmt?

Weiligmann: Unser Vertrag läuft erst mal ein Jahr, und dann entscheidet die Kommission neu. Es wird dann geschaut, ob sich der Stützpunkt bewährt hat oder ob es an anderer Stelle bessere Trainingsbedingungen gibt.

In Rothenditmold leben viele Familien mit geringem Einkommen, macht sich das bemerkbar?

Weiligmann: Man merkt es schon, aber das meine ich absolut positiv. Gerade an den Tagen, wo die Halle ohne Eintritt geöffnet ist, kommen viele Kinder, deren Eltern sich das Angebot sonst nicht leisten könnten. Diese Kinder allerdings schätzen unsere Angebote umso mehr. Für sie und auch alle anderen ist die Halle und der Jugendtreff Café Libre ein Freizeittreffpunkt. Wenn hier geskatet wird, dann tritt die Herkunft in den Hintergrund, dann zählt vor allem das Miteinander - beim Skaten sind alle gleich.

Welches Ziel haben Sie sich gesetzt?

Weiligmann:Ziel ist es, den Regionalstützpunkt in Kassel zu halten, um die Halle und das was auf dem Henschelgelände entstanden ist, noch mehr in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. Auch wenn man jetzt noch nicht sagen kann, wie sich die Situation weiter entwickeln wird, vielleicht kann der Stützpunkt dem Ganzen einen positiven Schub geben.

Fährt seit mehr als zehn Jahren Skateboard: Eric Weiligmann in der Halle von Mr. Wilson.

Eric Weiligmann kommt aus der Nähe von Lörrach im Südwesten Baden-Württembergs. Der 25-Jährige studiert seit drei Jahren in Kassel Soziale Arbeit. Bei der Auswahl seines Studienortes waren ihm auch die Skateszene und die Trainingsbedingungen wichtig. Seit Februar ist Weiligmann Regionaltrainer am Trainingsstützpunkt in Kassel. 

Hintergrund: Skateboarden als olympische Disziplinen

2020 finden die Olympischen Sommerspiele in Tokio statt. Dort wird Skatboardfahren erstmals olympisch sein – in zwei Disziplinen: Streetstyle und Park. Beim Streetstyle fahren die Skater auf einer ebenen Fläche mit nachgebildeten Straßenelementen wie beispielsweise Treppen, Mauern und Geländer. Bei Park wird vor allem in poolartigen Gebilden gefahren. Für beide Disziplinen gibt es in den Räumen von Mr. Wilson laut Weiligmann optimale Trainingsbedingungen für die Nachwuchsskater.

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