Es regnet durchs Dach

Sorge um documenta-Ort: Den ehemaligen Henschelhallen droht der Verfall

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Kunst in ehemaliger Henschelhalle: Hier fanden die Vorbereitungen für das Kunstwerk von Ibrahim Mahama statt. Die Säcke verhängen mittlerweile die Torwache. Später stand hier eine Bühne für Perfomances, das Dach hat die documenta abdichten lassen. 

Kassel. Durch die documenta ist das ehemalige Henschelgelände in Rothenditmold in den Blickpunkt geraten. Tausende von Besuchern verfolgten bislang die Auftritte von Performance-Künstlern oder wie hier die Säcke für die Torwache zusammengenäht wurden.

Viele von ihnen waren beeindruckt davon, wie gut sich die Hallen für solche Veranstaltungen eignen. Die langjährigen Nutzer des riesigen Geländes machen sich allerdings große Sorgen, was nach der documenta aus den Gebäuden wird. Das wurde gestern beim Blauen Sonntag, bei dem es um die Industriekultur in Nordhessen ging, mehr als deutlich.

„Nach jedem stärkeren Regen haben wir feuchte Stellen auf dem Fußboden“, sagt Bernd Scott vom Technikmuseum Kassel. Das präsentiert von historischen Straßenbahnen, über Henschelloks bis zum Transrapid jede Menge außergewöhnliche Produkte aus der Kasseler Technikgeschichte. Ebenfalls auf dem Gelände befindet sich das Henschelmuseum. In der ehemaligen Hammerschmiede haben sich verschiedene Künstleratelies und Werkstätten angesiedelt, es gibt Probenräume für Musikgruppen und den Skaterverein Mr. Wilson.

Kurze Kündigungsfrist

Sie alle eint die Sorge, wie es mit dem Standort weiter geht. Für die Künstler und Musiker gibt es nach Gesprächen der Stadt mit dem Immobilienverwalter Grand City Poperty eine Übergangslösung. Sie können vorläufig bleiben. Langfristige Mietverträge haben sie aber nicht, innerhalb eines Monats kann der Eigentümer kündigen.

Für das 100 000 Quadratmeter große Gelände hat es immer wieder Nutzungsvorschläge gegeben. Nach Einschätzung von Fachleuten ist das ehemalige Industrieareal bundesweit eine Rarität und deshalb besonders schützenswert. Auch im Zusammenhang mit einer zweiten Bewerbung Kassels als europäische Kulturhauptstadt biete das Gelände viele Möglichkeiten.

Verfall droht

„Davon haben wir allerdings nichts, wenn die Gebäude weiter verfallen“, sagt Bernd Scott, der gestern mehrere Gruppen über das Gelände führte. Bereits mehrfach hat er Kontakt mit den Behörden aufgenommen. Das Gelände stehe unter Denkmalschutz, der werde allerdings viel zu wenig eingefordert.

Wie es gehen kann, hat die documenta gezeigt. Innerhalb kurzer Zeit ging der Auftrag an einen Dachdecker, der eine der bislang ungenutzten ehemaligen Produktionshallen abdichtete. „So etwas würden wir uns auch wünschen“, sagt Scott. Der Unterschied: Für den documenta-Standort hat die documenta die Rechnung übernommen.

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