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„Das tut mir in der Seele weh“: Letztes Lokal in Rothenditmold schließt

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Abschied in Wehmut: Konstantinos Spiroudis und seine Frau Heidi mit einem aus Steinchen von der griechischen Küste selbst gestalteten Puzzlestück. Das Paar hatte sich damit 2012 an einer Aktion der documenta 13 beteiligt.
Abschied in Wehmut: Konstantinos Spiroudis und seine Frau Heidi mit einem aus Steinchen von der griechischen Küste selbst gestalteten Puzzlestück. Das Paar hatte sich damit 2012 an einer Aktion der documenta 13 beteiligt. © Foto: Peter Dilling

Mit dem Restaurant Achilles schließt in Kassel ein Traditionslokal – und das letzte im Stadtteil Rothenditmold. Dabei ist das Lokal ausgebucht gewesen.

Rothenditmold – 35 Jahre war das Restaurant Achilles an der Wolfhager Straße in Kassel eine angesagte Adresse für griechische, häufig handgemachte Spezialitäten – weit über die Grenzen Rothenditmolds hinaus. Doch nun schließt mit dem Achilles das letzte Restaurant im Stadtteil.

Noch am Ostermontag hatten Konstantinos Spiroudis und seine Frau Heidi die letzten Gäste bewirtet, und für das Wochenende war das Lokal voll ausgebucht. Es kostete Heidi Spiroudis viele Telefonanrufe, um diesen Gästen abzusagen.

Kassel: Gesundheitliche Probleme zwingen Restaurant Achilles zur Aufgabe

Der aus Alexandroupolis nahe der türkischen Grenze stammende 66-jährige Gastronom hört notgedrungen auf, obwohl er gern noch ein bisschen weitergemacht hätte. Wegen gesundheitlicher Probleme – vor allem mit den Augen – schaffe er die Arbeit im Restaurant nicht mehr, und jetzt sei auch noch sein langjähriger Koch erkrankt. „Es tut mir in der Seele weh, aber der Verstand sagt mir, es geht nicht mehr“, erklärt Spiroudis.

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Konstantinos Spiroudis blickt mit Wehmut auf die 35 Jahre zurück. „Die Arbeit hat uns Spaß gemacht, auch wenn es manchmal stressig war“, sagt er. 1987 hatte der Grieche, der seit fünf Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, das Restaurant als Pächter übernommen. Da war er frisch mit seiner Heidi verheiratet. Das Paar hatte sich in Göttingen kennengelernt, wo beide in einem Karosseriebaubetrieb arbeiteten. Konstantinos machte sich in der Leinestadt zunächst in der Lebensmittelbranche selbstständig. „Ein eigenes Restaurant zu führen, war immer sein Traum“, erzählt Ehefrau Heidi. Nach ein paar Jahren in Rothenditmold erwirbt das Paar das Mehrfamilienhaus, in dem es im Erdgeschoss das Achilles betreibt.

Restaurant Achilles in Kassel: Letzte Weihnachtsfeiern Ende Januar

„Wir sind ein Familienrestaurant. Wir hatten ein wunderbares Miteinander“, erzählt Heidi Spiroudis. Viele Stammgäste, zuweilen sogar schon deren Enkelkinder, seien aus anderen Stadtteilen und aus dem Landkreis zum Essen gekommen. Auch zu Geburtstags- und Konfirmationsfeiern mit bis zu 120 Gästen. „Die letzten Weihnachtsfeiern haben wir Ende Januar gemacht, weil es so viele Buchungen gab“, sagt die 59-Jährige.

Allerlei Mitbringsel, die das Bord über der Theke und die Fensterbänke dekorieren, zeugen von der Verbundenheit der Gäste mit dem Achilles, darunter 168 Kaffeekannen. Auffällig ist auch eine imposante Amphore aus Griechenland, die den mythologischen Helden Achilles auf seinem Streitwagen zeigt. Jahrelang gingen auch Künstler in dem Restaurant ein und aus. Der Rothenditmolder Kunst- und Kulturverein Artisan veranstaltete dort häufig Ausstellungen.

Ein ernsthaft in Betracht kommender Interessent habe sich für das Restaurant noch nicht gefunden, berichtet Konstantinos Spiroudis. Die beiden erwachsenen Kinder des Paars sind beruflich schon andere Wege gegangen. Im Achilles könne nur erfolgreich sein, wer die Qualität und Individualität des Restaurants bewahre und – wie er selbst – Gyros noch selbst auf den Spieß drehe und den Krautsalat eigenhändig zubereite, sagt der Gastronom. Einen Nachfolger würde er auch noch mit Rat und Tat unterstützen. „Es wäre schade, wenn das Restaurant auf Dauer leerstehen würde“, ergänzt seine Frau. (Peter Dilling)

Zuletzt hat die Burgerkette „Five Guys“ eine Filiale in Kassel eröffnet.

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