Mieter soll für beschädigte Fliesen zahlen – dieser weist Verantwortung zurück

Streit beim Auszug um Schäden in der Wohnung

Fühlt sich zu Unrecht beschuldigt: Thorsten Sülter wohnt seit vier Jahren in Rothenditmold. Sein Vermieter macht ihn für Schäden an den Fliesen in seinem Bad verantwortlich. Er spricht von „Pfusch am Bau“.
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Fühlt sich zu Unrecht beschuldigt: Thorsten Sülter wohnt seit vier Jahren in Rothenditmold. Sein Vermieter macht ihn für Schäden an den Fliesen in seinem Bad verantwortlich. Er spricht von „Pfusch am Bau“.

Ein Kasseler wird von seinem Vermieter für einen Schaden im Bad verantwortlich gemacht. Der Mieter will das nicht hinnehmen. Dieser sei auf „Pfusch am Bau“ zurückzuführen. Laut Mieterbund Nordhessen handelt es sich um ein Haus, zu dem es bereits mehrere Mieterbeschwerden gab.

Thorsten Sülter macht kein großes Geheimnis aus seiner Vergangenheit: Der Hartz-IV-Empfänger aus Kassel hat einige Zeit im Gefängnis verbracht. Umso schwerer fiel die Wohnungssuche. Aber deshalb müsse er sich doch nicht alles gefallen lassen.

Sülter lebt seit vier Jahren in einem Mehrfamilienhaus in Rothenditmold. Nach seinen Angaben wohnen in dem Backstein-Altbau, der in der Nähe des Werksgeländes von Krauss-Maffei Wegmann liegt, ausschließlich Menschen, die von Sozialleistungen leben. Sülter bekommt seine Miete vom Amt: 502 Euro betrage die Warmmiete für 47 Quadratmeter. Als er seinerzeit eingezogen sei, habe der Kasseler Vermieter eine Monatsmiete als Kaution gefordert. „Da habe ich mein Erspartes aus der Zeit in der JVA für gegeben. 1,20 Euro pro Stunde habe ich im Gefängnis in Hamburg verdient“, erzählt Sülter.

Doch schon vor etlichen Monaten kam es zum Streit zwischen Sülter und seinem Vermieter. Zum 31. Januar ist die Wohnung gekündigt. Doch der Zustand des Bades sorgt weiter für Konfliktpotenzial. An mehreren Stellen am Boden und den Wänden sind Risse in den Fliesen und Fugen zu erkennen.

„Der Vermieter behauptet, ich sei für die Schäden verantwortlich“, sagt Sülter. Eine entsprechende E-Mail-Korrespondenz liegt der HNA vor. Aus Sülters Sicht ist indes völlig klar, dass für die Schäden nicht er, sondern der schlechte Zustand des Hauses und eine unzureichende Ausführung der Fliesenarbeiten verantwortlich sind. Insofern könne er nicht akzeptieren, dass der Vermieter seine Kaution einbehalten wolle.

Mit bloßem Auge ist erkennbar, dass der Boden im Bad nicht eben ist. „Da wurde vermutlich einfach auf die Holzdecke gefliest und dann ist es abgesackt“, sagt Sülter. Als ehemaliger Gleisbauer wisse er, wie Pfusch aussehe.

Die HNA hat Fotos der Schäden einem Bausachverständigen vorgelegt. Dieser hält es für unwahrscheinlich, dass die Schäden an der Wand durch den Mieter entstanden sind. Für die Analyse der Risse am Boden sei eine Untersuchung vor Ort nötig. Bei Holzbalkendecken etwa könne es zu Absenkungen kommen, wodurch Risse verursacht werden könnten.

Weil Sülter fürchtete, sich an den Fliesen zu verletzen, und zudem seine Kaution nicht mehr wieder zu sehen, kündigte er seinem Vermieter Anfang Dezember schriftlich an, die Miete für Januar kürzen zu wollen, wenn dieser die Schäden nicht beheben lasse. Schließlich behielt er die Miete auch tatsächlich ein.

Nach Auskunft von Mieterbund-Geschäftsführer Maximilian Malirsch ist das Mietshaus in Rothenditmold schon mehrfach Gegenstand von Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermieter gewesen. „Zu dem Objekt liegen uns acht Fälle aus den vergangenen Jahren vor“, so Malirsch. Dies sei vergleichsweise viel. „Gerade solche Mieter, die sich nicht wehren können, sind häufig betroffen“, so der Mieterbund-Geschäftsführer weiter.

Auf eine HNA-Anfrage reagierte der Vermieter nicht. (Bastian Ludwig)

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