Streit um Bier eskalierte 

Mann bedrohte Kioskbetreiber mit Küchenmesser – Urteil: Bewährungsstrafe

Kassel. Von einem „Wortungetüm“ sprach Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung. „Versuch des minderschweren Falls des schweren Falls der räuberischen Erpressung“ nannte sich in der Sprache der Juristen, was einem 40-jährigen Kasseler am Mittwoch eine zehnmonatige Bewährungsstrafe eintrug.

Auf deutsch: Stark angetrunken hatte der Mann einen ziemlich sonderbaren Raubüberfall auf einen Kiosk mit Internetcafé in Rothenditmold hingelegt. Es ging um genau ein Bier, um Tabak und Blättchen. Und es war erfolglos.

„In nüchternem Zustand, wie wir Sie hier erleben, haben Sie keinen Hang zu Straftaten“, sagte Richter Leyhe bei der Urteilsverkündung vor dem Amtsgericht. An jenem Abend im Juni 2011 aber habe der Mann, warum auch immer, „einen schlechten Tag“ gehabt. Er ging zu dem Kiosk, den er auch sonst gerne zum Trinken und Diskutieren besuchte, und war von vornherein in aggressiver Stimmung. „Er war nicht so höflich“, berichtete der 23-jährige Betreiber. „Wie ein anderer Mensch.“

Barsch forderte der Angeklagte ein erstes Bier, stürzte es hinunter und verlangte umgehend das nächste. Und als ihm der Kioskinhaber das nicht mehr ohne sofortige Bezahlung geben wollte, wurde der 40-Jährige richtig fuchsig. Versuchte vergeblich, hinter den Verkaufstresen zu kommen, um sich selbst zu bedienen. Und zückte irgendwann ein Küchenmesser, das er dabeihatte, und drohte seinem Widersacher: „Ich töte dich!“

Was den allerdings nicht allzu sehr beeindruckte. „Ich hab’ keine Angst“, sagte der 23-Jährige vor Gericht. „Wenn mir jemand etwas mit Gewalt nehmen will, muss er mich schon töten.“

Sein wütender Kunde aber beschränkte sich auf Drohgebärden – und fand sich kurz darauf eingesperrt: Um ihn an der Flucht zu hindern, schloss der unerschrockene Kioskinhaber kurzerhand die Ladentür ab. Und rief die Polizei.

Dass der Streit ums Bier in dieser Weise eskaliert war, gab am Ende auch der Angeklagte zu. Zunächst hatte er noch jeglichen Messereinsatz geleugnet – wie schon im vergangenen Jahr, als der skurrile Raubversuch schon einmal das Amtsgericht beschäftigt hatte. Damals war der Prozess ohne Ergebnis vertagt worden, weil der Kioskbetreiber unauffindbar gewesen war. Er sei halt „im Urlaub“ gewesen, erklärte der Mann nun.

2,5 Promille Alkohol im Blut

Und der Angeklagte wusste, warum er den Griff zum Küchenmesser lieber nicht hatte beichten wollen: Sobald ein Räuber eine Waffe auch nur mit sich führt, beträgt die Mindeststrafe drei Jahre. Setzt er sie ein, sind es sogar schon fünf Jahre. Eigentlich.

Dass der 40-Jährige trotzdem nicht hinter Gitter muss, lag daran, dass sein Versuch so kläglich scheiterte. Dass er nur minimale Beute machen wollte. Und dass er derart viel Alkohol im Blut gehabt hatte: Bis zu 2,5 Promille wurden nach der Tat bei ihm gemessen. (jft)

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