Sechsjährige mit Behinderung lässt sich nicht in der Nase testen

In Hessen nicht erlaubt, in NRW schon: Vater wünscht sich Corona-Lolli-Tests an Förderschulen

Eine Frau in Schutzkleidung und blauen Handschuhen hält der Kamera ein Teststäbchen entgegen.
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Corona-Nasentests sind an Förderschulen in Hessen nicht erlaubt. (Symbolbild).

In NRW dürfen Förderschüler mit Lolli-Tests auf Corona getestet werden. In Hessen ist diese Art von Tests nicht zugelassen. Weil seine Tochter Panik beim Nasenabstrich bekommt, fordert ein Vater aus Kassel, dass auch er die Nasentests anwenden darf.

Kassel – Seit seine Tochter im Sommer eingeschult worden ist, steht Tobias Heymann vor einem Problem. Die Sechsjährige, die mit einer Behinderung lebt, hat nämlich panische Angst vor Corona-Abstrichen, wenn diese in der Nase genommen werden. „So ein Abstrich ist nur möglich, wenn wir sie fixieren, also mit zwei Personen Arme, Beine und ihren Kopf festhalten“, sagt Heymann. Man habe dabei aber immer die Sorge, dass sich das Kind möglicherweise verletze. Auch nach mehrmaligen Versuchen habe sich seine Tochter nicht an einen Nasenabstrich gewöhnen können.

Bis zum Sommer sei alles kein Problem gewesen, so Heymann, der in Rothenditmold lebt und als evangelischer Pfarrer arbeitet. In der Kindertagesstätte, die seine Tochter bis dahin besucht hat, gab es die sogenannten Lolli-Tests und damit lasse sich auch die Sechsjährige testen. „Das versteht sie, das ist ein bisschen wie Zähneputzen“, sagt Heymann.

Bei den Lolli-Test handelt es sich um dickere Wattestäbchen, mit denen Abstriche im Mund genommen werden. Bei den Nasentests bekommt die Sechsjährige schon Panik , wenn man mit dem Stäbchen nur in die Nähe der Nase kommt. Sie wird wohl an frühere intensivmedizinische Behandlungen erinnert, vermutet der Vater. Die Alexander-Schmorell-Schule, die die Erstklässlerin besucht, hatte ihm mitgeteilt, dass es nicht möglich ist, seiner Tochter in der Schule einen Nasenabstrich zu nehmen, und darum gebeten, dass die Eltern ihre Tochter zuhause testen. In Förderschulen ist dies in Ausnahmen möglich.

Eine Alternative zu den Nasentests wären aus Heymanns Sicht die Lolli-Tests, die in Kindergärten angewandt werden, in anderen Bundesländern, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Förderschulen. In hessischen Förderschulen ist eine Verwendung allerdings bislang nicht erlaubt.

Heymann fragte beim Schulamt und beim Land Hessen nach, ob es möglich sei, statt der Nasen- die Lollitests zu verwenden. Die Antwort lautete: Nein. Warum nicht, das bleibt aus Heymanns Sicht offen. Überall hieß es: „Sie sind in Schulen nicht erlaubt, weil sie in Schulen nicht erlaubt sind.“ Als er am Ende der Herbstferien erneut nachfragte, hieß es dann, dass die Lollitests nicht so verlässlich seien wie Nasentests. Man sagte ihm, er könne alternativ seine Tochter zu Hause beschulen. Gerade für Förderschüler ist das für Heymann aber keine Option: „Meine Frau und ich sind keine Sonderpädagogen oder Ergotherapeuten.“

Die Schule bot ihm an, die Testpflicht für seine Tochter auszusetzen. Das bestätigt auch ein Sprecher des Hessischen Kultusministeriums: In Förderschulen kann in Einzelfällen von der Testpflicht abgesehen werden, wenn es weder Schulen noch Eltern möglich ist, den Test durchzuführen. Dies werde dann individuell geregelt, so der Sprecher. Eine explizite Zulassung für Lolli-Tests gäbe es nicht. Für Heymann hat dies allerdings Folgen: Zum einen würde seine Tochter ungetestet zur Schule gehen, zum anderen würde das Testheft wegfallen. Das berechtigt sie durch die Tests an Schulen dazu, an Veranstaltungen teilzunehmen, die einen Testnachweis erfordern. „Die Teilnahme am öffentlichen Leben wäre kaum mehr gewährleistet“, so Heymann. Er hofft, dass sich für seine Tochter zeitnah eine Lösung finden wird. Derzeit sei es für Privatpersonen nämlich auch schwer, an Lolli-Tests zu kommen. „Online sind sie aktuell ausverkauft“, so Heymann. (Kathrin Meyer)

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