37-Jähriger zusätzlich zu Schmerzensgeld verurteilt

Zehn Jahre Haft für Bluttat in Rothenditmold: Mann hatte Kasselerin fast getötet

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Verurteilt: Der 37-jährige Mann aus Eritrea muss für zehn Jahre hinter Gitter. Er hatte im Juli vergangenen Jahres eine Frau in Kassel mit dem Messer attackiert.

Kassel. Urteil vor dem Landgericht Kassel: Wegen versuchten Mordes muss ein 37-jähriger Mann aus Eritrea für zehn Jahre hinter Gitter. 

Die 6. Strafkammer des Landgerichts blieb damit nur sechs Monate unter der Strafforderung der Staatsanwaltschaft. Dass die Strafe nicht noch deutlich härter ausfiel, verdankt der Mann einer dyssozialen Persönlichkeitsstörung, verbunden mit Schizophrenie, wodurch die Kammer laut Richter Volker Mütze eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit nicht ausschließen konnte. Gleichwohl sei der Mann voll schuldfähig.

Gegen 1.30 Uhr in der Nacht zum 10. Juli vergangenen Jahres hatte der Angeklagte eine damals 27-jährige Frau vor deren Haustür an der Frankenberger Straße in Rothenditmold überfallen. In der großen Handtasche vermutete er viel Geld, tatsächlich hatte die Frau nach der Schicht in einem Schnellrestaurant am Hauptbahnhof nur fünf Euro bei sich.

Als die Frau um Hilfe schrie, stach der Angeklagte mit einem Messer mindestens sechs Mal zu, verletzte Magen und Lunge so schwer, dass die Frau nur nach einer Notoperation überlebte. Nachbarn riefen „Polizei, Polizei”, der Angreifer floh und konnte zwei Wochen später über DNA-Spuren unter den Fingernägeln seines Opfers ermittelt werden.

Richter Mütze lieferte in seiner Urteilsbegründung auch einen Einblick in das desolate Leben des Angeklagten, der seit 2008 in Kassel lebt, Hartz IV bezieht, sozial völlig isoliert ist und nur über einen einzigen Freund überhaupt Kontakt zur Außenwelt hatte. „Seine Freizeitbeschäftigung war schlafen”, sagte Mütze.

Das Opfer leidet noch heute unter den schweren Verletzungen, die der Täter ihr im Juli 2017 zugefügt hatte. Die junge Frau hatte voller Blut im Hausflur gelegen, eine Nachbarin war ihr zur Hilfe gekommen. 

Der 1980 in Eritrea geborene Mann war bereits 1982 mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen und entwickelte sich schnell zum Problemkind mit psychischen Auffälligkeiten. In einer Wohngruppe für schwierige Jugendliche lebte er zeitweise in Wiesbaden und Eisenach. Nach kleineren Diebstählen kam es 1998 zur ersten schweren Straftat: Ein 17-jähriges Mädchen hatte ihn „geärgert”. Mit einem Messer ging er zur Gleichaltrigen ans Bett und stach zu. 18 Monate Jugendhaft waren die Strafe.

Das Urteil am Freitag nahm der 37-Jährige hin, wie er die gesamte Verhandlung über schweigend und abwesend auf der Anklagebank gesessen hatte: völlig unbewegt. Zur Urteilsverkündung war auch das Opfer gekommen. Die zierliche junge Frau leidet bis heute stark unter den Folgen des Überfalls, hat sich von einer optimistischen und angstfreien Person zu einem Menschen entwickelt, der in psychischer Behandlung ist, nachts nicht mehr arbeiten und auf die Straße gehen kann und von Lungenschmerzen und täglichem Erbrechen infolge der Messerstiche geplagt wird. Dies war laut Richter Mütze auch entscheidend für die hohe Freiheitsstrafe und das festgelegte Schmerzensgeld von 15.000 Euro.

Romina Esposito war es, die dem Opfer im Juli das Leben rettete. Im Interview hat sie uns erzählt, wie es ihr damit heute geht.

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