Kassel: Viele Prostituierte aus Osteuropa verhüten nicht

Dramatische Zustände im Kasseler Rotlichtmilieu: Abtreibungen gehören zum Geschäft

Kassel. Dramatische Zustände im Kasseler Rotlicht-Milieu: Immer mehr Prostituierte bieten sich ihren Freiern ohne Kondomgebrauch zu Niedrigpreisen an – nicht selten unter 20 Euro. Als Folge treffen Kasseler Sozialarbeiterinnen immer mehr  Sexarbeiterinnen in „katastrophalem Gesundheitszustand“ an.

Sie sind vor allem bulgarischer und rumänischer Herkunft. Das berichtet Gabi Kubik von „Sicht-Bar“, der Beratungsstelle für Prostituierte des Kasseler Vereins Frauen informieren Frauen. Besonders erschreckend sei, dass vor allem die Roma-Frauen unter den Prostituierten fast nie verhüteten. Stattdessen würden sie bei Schwangerschaften abtreiben. Dass eine Prostituierte im Jahr mehrere Abtreibungen vornimmt, sei nicht selten. Kubik ist bei ihrer aufsuchenden Sozialarbeit zuletzt einer Frau begegnet, die ihr von 16 Abtreibungen erzählte. Nach Angaben der Beratungsstelle hat es im Kasseler Rotlichtmilieu im zurückliegenden Jahr etwa 50 Abtreibungen gegeben. Die meisten Frauen nähmen diese in ihrem Heimatländern vor, weil es dort billiger sei.

Die Ermittler des Kommissariats für Sexualdelikte gehen davon aus, dass es in Kassel derzeit etwa 300 bis 350 Prostituierte gibt. Die Sozialarbeiterinnen von Sicht-Bar haben im Jahr Kontakt zu etwa 260 Prostituierten. 70 Prozent der Prostituierten, die die Sozialarbeiterinnen in Apartmenthotels, Clubs und Bordellen aufsuchen, kommen aus Bulgarien und Rumänien. Deutsche Frauen trifft Kubik nur noch selten an, 2013 lag der Anteil bei zwei Prozent. Sie seien von den Sexarbeiterinnen aus Osteuropa verdrängt worden – von Frauen aus ärmsten Verhältnissen, die mit Sex zu Dumpingpreisen ihre Familien in der Heimat ernährten.

Insgesamt 26 Einrichtungen im Stadtgebiet werden von Sicht-Bar besucht, die meisten im Kasseler Osten und im Wesertor. Die Frauen, ein Großteil von ihnen sind Roma, nähmen pro Monat etwa 400 Euro ein, ihre Zuhälter 10.000 Euro.

Von Christina Hein

Rubriklistenbild: © dpa

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