Entwicklung von Kasseler Studenten ermöglicht medizinische Grundversorgung

Rucksack als Mini-Klinik

Innovativ: Martin Reh (von links), Raphael Schönweitz und Philipp Odernheimer haben einen Rucksack für die medizinische Grundversorgung entwickelt. Da sie ihn patentieren lassen, möchten sie ihn weder vorab zeigen noch technische Details verraten. Foto: Schaffner

Kassel. Keimfreies Wasser, gekühlte Medikamente und sauberes OP-Besteck – was hierzulande selbstverständlich ist, ist in Entwicklungsländern oft Mangelware. Deshalb stellen derzeit zwei Studenten und ein Absolvent der Uni Kassel einen medizinischen Rucksack her, der all das ermöglicht.

„Unser Rucksack erfüllt gleich drei Funktionen auf einmal“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Martin Reh (30), der den Rucksack mit Philipp Odernheimer (24) und Raphael Schönweitz (25) entwickelt hat, beide Masterstudenten für regenerative Energien und Energieeffizienz. Beispielsweise kann der Rucksack Wasser reinigen. Egal ob man oben salziges Meerwasser oder verunreinigtes Brunnenwasser hineinschüttet – unten kommt es dank einer neuartigen Technologie stets keimfrei heraus. Dabei kommen weder Chemie noch spezielle Membranfilter zum Einsatz.

Die Schultertasche in der Größe eines Wanderrucksacks verfügt zudem über eine Dampfkammer, die Operationsbesteck sterilisiert. „Weil inzwischen viele Medikamente dauerhaft gekühlt werden müssen, hat der Rucksack auch einen kleinen Kühlschrank“, benennt Schönweitz die dritte Funktion, die speziell in warmen Regionen einen unschätzbaren Wert hat. Welche Technologien sich im Rucksackinneren befinden, möchten die Entwickler allerdings noch nicht verraten. Sie wollen ihre Entwicklung demnächst patentieren lassen.

Durch seine kompakte Form könnte der 20 bis 25 Kilogramm schwere Rucksack weltweit helfen, die medizinische Grundversorgung sicherzustellen. „Das Problem besteht darin, dass die Menschen, die einen solchen Rucksack brauchen, ihn sich nicht leisten können“, sagt Odernheimer. Immerhin kostet ein Exemplar etwa 4000 Euro.

Verantwortung übernehmen

Deshalb verfolgt das Trio ein besonderes Geschäftsmodell: Kaufen sollen die Rucksäcke neben Vereinen und Organisationen in erster Linie Unternehmen. „Sie haben eine soziale Verantwortung für die Menschen in Entwicklungsländern, aus denen sie zum Beispiel ihre Rohstoffe beziehen“, sagt Odernheimer. Zudem würden immer mehr Kunden darauf achten, dass sich Firmen auch global sozial engagieren.

Nachdem die Unternehmen den Einsatzort der von ihnen bezahlten Rucksäcke bestimmt haben, werden sie über Hilfsorganisationen in die jeweiligen Länder geliefert. Zusätzlich dürfen die Unternehmen mit dem Logo „Rucksackspende“ der Kasseler Entwickler werben. Die Hersteller veröffentlichen das Engagement zudem im Internet auf Facebook, Twitter und Co.

Odernheimer, Reh und Schönweitz bewerben sich derzeit um ein Gründerstipendium der Bundesregierung. Nächstes Jahr wollen sie ihr eigenes Unternehmen gründen und haben sich zum Ziel gesetzt, im ersten Jahr 100 Rucksäcke zu verkaufen. „Das Potenzial ist aber viel größer“, sagt Raphael Schönweitz. Denn medizinische Grundversorgung ist in vielen Regionen der Welt alles andere als selbstverständlich.

www.rucksackspende.de

Von Sebastian Schaffner

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