Logistikunternehmen einigt sich mit Gewerkschaft

Rudolph schließt Tarifvertrag ab

Hubstapler der Spedition Rudolph: Das Baunataler Unternehmen hat einen Tarifvertrag abgeschlossen. Archivfoto: Socher

Kassel / Baunatal. Im Kampf um die Löhne in der Logistikbranche hat die Gewerkschaft Ver.di einen Erfolg errungen: Einer der großen Anbieter in Nordhessen, Rudolph Logistik, hat einen Tarifvertrag abgeschlossen. Das bestätigten Gewerkschaft und Unternehmen auf Nachfrage.

Laut Flächentarifvertrag verdient ein Fernfahrer brutto 11,43 Euro pro Stunde, ein Staplerfahrer 11,17 Euro und ein Lagerarbeiter 10,93 Euro. Durch den Tarifabschluss würden die 750 Rudolph-Beschäftigten in Hessen mindestens diese Stundenlöhne bekommen, sagte Detlev Borowsky von Ver.di Hessen. Für Rudolph-Mitarbeiter, die bisher unter Tarif bezahlt wurden, verbessere sich die Situation: Die Löhne gingen rauf, die Arbeitszeit runter. Dies gilt nicht für Subunternehmer.

Der Tarifabschluss sei bemerkenswert, weil sich das Baunataler Unternehmen vor zehn Jahren aus der Tarifbindung verabschiedet habe. „Das Beispiel zeigt: Wo sich Beschäftigte organisieren, lassen sich Tarifverträge durchsetzen“, erklärte Borowsky. Bei Rudolph Logistik stellt man die Sache anders dar: „Bei uns war es bereits so, dass die Einzelgesellschaften die branchenüblichen Flächentarife angewandt haben“, sagt Inhaber Dr. Torsten Rudolph. Das heißt: Man habe bereits nach Tarif gezahlt, nur das Vertragswerk ändere sich jetzt.

Die Logistikbranche in Nordhessen sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Wiederholt hatte Ver.di kritisiert, dass trotz des Wachstums die Arbeitnehmer nicht profitierten. Löhne und Arbeitsbedingungen seien teilweise sehr schlecht. Es herrschten „Zustände wie im Wilden Westen“, hieß es. Fernfahrer berichteten von Stundenlöhnen von sieben Euro brutto.

Speziell bei kleinen Unternehmen mit zehn bis 20 Beschäftigten seien die Bedingungen heute oft genauso schlecht wie vor zwei Jahren, sagt Borowsky. Bei großen Arbeitgebern habe sich die Situation verbessert.

Eine „erfreuliche Entscheidung“ nennt Eugen Jung vom Fachverband Güterkraftverkehr und Logistik Hessen den Tarifabschluss. Die Branche leide aber weiter unter Preisdruck. Oft sei das Problem: „Wer Tariflöhne zahlt, ist zu teuer und kann Ausschreibungen nicht erfüllen“, sagt der Kasseler. Die 1200 Verbandsmitglieder zahlten nach Tarif.

Ver.di sieht nun die großen Auftraggeber in der Pflicht: Er rate allen Unternehmen wie DHL und VW, die Arbeiten auslagern, „Subunternehmer nach Tarifbindung auszuwählen und nicht nach Preisdiktat“, sagte Ver.di-Gewerkschaftssekretär Manuel Sauer am Rande einer Protestveranstaltung in Kassel. Eine Erhebung ergebe, dass 20 Prozent der Beschäftigten bei Subunternehmern von Volkswagen Hartz IV beziehen müssten, weil ihr Lohn so niedrig sei.

In Nordhessen sind 33 000 Menschen in der Logistik beschäftigt.

Von Göran Gehlen

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