Bis zu 17.000 Badegäste

Badevergnügen am Fuldastrand: Rückblick auf das Flussbad in Kassel

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Bis zu 17.000 Besucher am Tag: Das städtische Flussbad am Auedamm war ab 1923 eine Attraktion. Nach dem Krieg wurde es nicht wieder aufgebaut. 

Sonnen, baden, entspannen: Früher hatten bis zu 17.000 Badegäste Platz im Flussbad der Stadt Kassel. Ein Rückblick.

Wenn man die Freibäder in Harleshausen und Bad Wilhelmshöhe noch auf das heutige Auebad draufpacken würde, dann käme man der Sache schon ziemlich nahe. Das frühere Flussbad an der Fulda war riesig. Die Liegefläche war die Wiese zwischen dem Auedamm und dem Ufer, das Becken die teilweise mit Holzstegen eingefasste Fulda.

Bis zu 17.000 Menschen haben damals an heißen Sommertagen den Fullestrand bevölkert. Zum Vergleich: Wenn heute ins Auebad mehr als 4000 Menschen kommen, dann ist es richtig voll.

Flussbaden wird wiederentdeckt

Der Start: Oberbürgermeister Philipp Scheidemann (hinten in Weiß) eröffnete 1923 das Flussbad.

Mittlerweile entdecken immer mehr Menschen das Flussbaden in der Fulda wieder als willkommene Alternative zum Freibad. Und auch zum Bugasee, der sich sehr viel schneller erwärmt als das Fließgewässer und dann auch für Algenbewuchs anfällig ist.

Vor 100 Jahren gab es in Kassel noch keine Freibäder – die in Harleshausen und Wilhelmshöhe wurden erst Mitte der 1930er Jahre gebaut. Dafür gingen die Menschen seit 1923 in das städtische Flussbad. Private Badeanstalten wie das Badeschiff Gossmann, Sinnings Damen- und Herrenbad sowie Sohls Damenbad waren noch älter. An die Kasseler Badetradition erinnert eine Ausstellung im Kurbad Jungborn an der Drahtbrücke. Auch hier haben zuletzt wieder Schwimmer an die Tradition von früher angeknüpft.

Kasseler Flussbad befand sich etwa an Stelle des heutigen Auebades

Ebenfalls sehr beliebt: Die Badeschiffe auf der Fulda mit getrennten Bereichen für Damen und Herren.

Das städtische Flussbad befand sich in etwa dort, wo heute das kombinierte Hallen- und Freibad am Auedamm ganzjährig seine Besucher hat. Das Gelände war allerdings wesentlich größer. Es gab sage und schreibe sieben Schwimmbecken, die über Stege auf Betonpfeilern erreichbar waren. 

Bei richtig schönem Sommerwetter wurde es selbst auf den großen Liegewiesen des Flussbades und in der Fulda eng. Wer es etwas exklusiver haben wollte, nutzte eines der Badeschiffe. Über einen Steg ging man an Bord, zog sich in einer Kabine um und ging dann in einem mit Fuldawasser gefüllten Becken baden.

Schwimmer begleiteten den legendären Fuldadampfer Elsa

Badevergnügen in Höhe der Schützenstraße: Vor gut 100 Jahren entstand dieses Foto mit dem Dampfer Elsa im Hintergrund. 

Es gab aber auch viele Menschen, die den Eintritt für das Flussbad oder die Badeschiffe nicht zahlen wollten oder konnten. Auch die hatten einen attraktiven Fuldastrand in Höhe der Schützenstraße. Auf historischen Fotos kann man sehen, dass der legendäre Fuldadampfer Elsa von den Flussschwimmern begleitet wurde. Damals schien man sich nicht so viele Gedanken um mögliche Gefahren zu machen.

Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Flussbad nicht wieder aufgebaut. Stattdessen bot das Schwimmstadion am Auedamm ab 1956 Abkühlung. Mit dem neuen Auebad, einem kombinierten Frei- und Hallenbad, gibt es seit 2013 einen attraktiven Nachfolger.

Leseraufruf: Haben Sie noch historische Fotos vom Fuldaschwimmen? Dann melden Sie sich unter Tel. 0561/2032431 oder schicken Sie diese an kassel@hna.de

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