Kasseler Grüne feierten am Freitag ihren 30. Geburtstag mit 200 Gästen

Rückblick mit Humor

Ein Loblied: Die Kasseler Grünen feierten am Freitagabend im evangelischen Gemeindehaus in Wehlheiden ihren 30. Geburtstag. Unser Foto zeigt von links den Landtagsabgeordneten Dr. Andreas Jürgens, Gründungsmitglied Richard Schramm, Stadträtin Anne Janz, die Kasseler Kreisvorsitzende Eva Koch, Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch, Landesvorsitzenden Tarek Al-Wazir, Gründer Uwe Josuttis und am Klavier den Vorsitzenden der Grünen Jugend Hessen Philipp Hichrichsmeyer. Foto: Koch

Kassel. Dass eine ostdeutsche Frau Bundeskanzlerin geworden und ein Homosexueller Bundesaußenminister ist, wäre ohne die Grünen nicht denkbar. Zu diesem Schluss kam Tarek Al-Wazir, einer der beiden Landesvorsitzenden in Hessen, während der 30. Geburtstagsfeier der Kasseler Grünen im evangelischen Gemeindehaus Wehlheiden.

Vor 200 Gästen hatte Al-Wazir einen vergnüglichen Blick auf die Anfänge der Partei geworfen, die sich aus einer Gemengelage aus Ökologie, Anti-Atomkraft sowie der Friedens- und der Frauenbewegung entwickelt hatte.

Er lobte die Kasseler Partei, die 16 Prozent der Stimmen bei der jüngsten Kommunalwahl auf sich vereinte und in der Folge sogar zwei Landtagsabgeordnete stellt; eine Partei, aus deren Reihen eine grüne Bundestagsabgeordnete kommt und die demnächst sogar zwei grüne Stadträte statt bislang einen in der Verwaltung stellt.

Trotz aller Erfolge auch auf Landes- und Bundesebene dürfe sich die Partei zum 30. Geburtstag nicht zurücklehnen, forderte Al-Wazir. Angesichts der gescheiterten Weltklimakonferenz gebe es alle Hände voll zu tun. „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“, zitierte Al-Wazir. Es müssten Antworten gefunden werden auf die grundlegenden Fragen zu Mobilität und Energieversorgung sowie darauf, wie eine Gesellschaft funktionieren solle und welchen Staat wir eigentlich wollten.

Landtagsabgeordneter Dr. Andreas Jürgens, der die Partei in seiner Rede von der Geburt über die Flegeljahre bis zum Erwachsenenalter liebevoll begleitete, machte deutlich, dass Kassel eine wichtige Keimzelle der Grünen war.

So wurde hier auf Kommunalebene 1981 die allererste rot-grüne Koalition geschmiedet. Und in Wiesbaden war Joschka Fischer der erste grüne Minister in einer rot-grünen Koalition, die von 1985 bis 1987 hielt.

Einen Flirt mit der CDU wagte die Kasseler Grünen-Fraktion mit Volker Schäfer an der Spitze bereits 1993. Doch das Angebot stieß keineswegs auf Gegenliebe.

Anfänge der Aktivisten

Augenzwinkernd berichtete danach Roland Schäfer (Ortsbeirat Südstadt) von den Anfängen der Aktivisten. Wie sie sich in der Motzstraße über die gleichgeschlechtliche Ehe die Köpfe heiß redeten, um schließlich friedlich im „Dizzy“ mit einem Schoppen den Abend zu beenden. Von einem Grünen-Antrag in der Stadtverordentenversammlung, dem alle zustimmten, der aber niemals umgesetzt wurde: Eigentümer, die ihr Haus besonders gut saniert hatten, sollten als Anerkennung eine Messingplakette erhalten.

Höhepunkt des Vortrags war die Geschichte über ein selbst getextetes und komponiertes Parteilied eines Kasseler Grünenmitglieds, dessen Refrain mit „Grün ist die Hoffnung, Grüne sind auch wir“ beginnt.

Weil das Vorhaben vernichtende Kritik erfuhr, trat der Komponist danach sofort aus der Partei aus.

Von Beate Eder

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.