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Rückenwind für Herkulesbahn: Untersuchung bewertet Wiederbelebung positiv

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Von: Bastian Ludwig

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1966 war die Herkulesbahn eingestellt worden.

Kassel. Eine Wiederbelebung der Herkulesbahn bietet hohes Potential für den Tourismus. Das stellt eine interne Untersuchung des Landesbetriebs Hessenmobil fest.

In dem internen Papier zu stillgelegten Bahntrassen heißt es, dass die Strecke zwischen der Innenstadt und dem Kasseler Wahrzeichen bei einer Reaktivierung hessenweit die größten Chancen als Freizeitverkehr biete. 1966 war die Herkulesbahn nach 64-jähriger Betriebszeit eingestellt worden.

Die Verkehrsplaner sehen mehrere Vorteile in einer neuen Herkulesbahn: So sei die Bahnanbindung des Unesco-Welterbes über das Druseltal von hoher Bedeutung für das touristische Angebot. Zudem würden die Verkehrs- und Parkplatzprobleme am Herkules gelöst. Nach einer Studie der Uni Kassel, die nach dem Unesco-Welterbetitel erstellt worden war, reisen 60 Prozent der Bergparkbesucher mit dem Auto an. Dies sorgt insbesondere in der Wasserspielsaison für Verkehrschaos.

Die Geschichte der Herkulesbahn können Sie hier im Regiowiki nachlesen.

Hessenmobil beschreibt die Neubelebung der Herkulesbahn zudem als relativ kostengünstig. Zu prüfen sei eine Mitfinanzierung durch die Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK), die von einer höheren Attraktivität des Welterbes profitiere. Nach einer Schätzung der KVG sollte der Bau einer eingleisigen, 3,2 Kilometer langen Strecke auf der noch bestehenden Trasse 13,4 Mio. Euro kosten.

Die Planer von Hessenmobil verweisen auch auf eine Untersuchung der KVG aus dem Jahr 2009. Damals war die KVG bei einer Kosten-Nutzen-Analyse zu dem Schluss gekommen, dass das Angebot einen zu hohen Zuschussbedarf erfordere und damit nicht vom Land gefördert werde. „Unsere Studie stammt aus der Zeit vor der Verleihung des Welterbetitels. Heute könnte das Ergebnis anders ausfallen“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Damals hatte die KVG mit jährlich 175.000 Fahrgästen kalkuliert, die das Angebot nutzen würden.

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So könnte es werden: Diese Illustration zeigt die Einfahrt einer Straßenbahn am Herkules. Die ehemalige Trasse besteht noch, die Schienen wurden aber schon vor Jahrzehnten abgebaut. © Verein Neue Herkulesbahn/Montage

Auch Hessenmobil macht in seiner Untersuchung darauf aufmerksam, dass die Herkulesbahn nur als Ausflugsbahn eine Berechtigung habe. Für den alltäglichen Pendlerverkehr spiele sie keine Rolle.

Peter Klemt, Vorsitzender des Fördervereins Neue Herkulesbahn, freut sich über die positive Berurteilung durch Hessenmobil. „Um die Frage der Finanzierung zu klären, sollte die Stadt einen Projektkoordinator berufen, der die Kosten für Investitionen und Betrieb beziffert und Zuschussmöglichkeiten prüft“, sagt Klemt. Eine Finanzierung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sei unwahrscheinlich, so Klemt, da die Strecke übliche Kosten-Nutzen-Kriterien nicht erfülle. Als Ausflugsbahn sei sie aber eventuell über Mittel der EU zu realisieren.

Hessenmobil schweigt zur Untersuchung, da es ein internes Papier sei.

Die Stadt Kassel teilt auf HNA-Anfrage die Einschätzung von Hessenmobil, dass eine Reaktivierung der Herkulesbahn große Potentiale bietet. Entsprechend sei die Herkulesbahn Bestandteil des Verkehrsentwicklungsplans und des Nahverkehrsplans, teilt Rathaussprecher Sascha Stiebing mit. Eine Einschätzung im Kontext des Tourismuskonzepts der Stadt stehe noch aus. Aktuell werde die Reaktivierung geprüft. „Es gab und gibt Gespräche mit der Landesregierung zu möglichen Förderungen. Eine konkrete Projektierung gibt es aber nicht“, sagt Stiebing.

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