Land überlegt, Ermittlungsgruppe von Kripo und Zoll in Kassel aufzulösen

Rückschlag für Drogenfahnder?

Kassel/WiEsbaden. Die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) von Kriminalpolizei und Zoll in Kassel konnte diese Woche einen großen Erfolg feiern: Neun Kilogramm Heroin haben die nordhessischen Fahnder in einem Auto sichergestellt.

Solche oder ähnliche Erfolgsmeldungen werden in Zukunft nicht mehr zu lesen sein. Davon ist Karl-Heinz Siemon, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und Mitglied im Personalrat des Polizeipräsidiums Nordhessen, überzeugt. Denn wenn es nach dem Willen des Landespolizeipräsidiums gehe, soll die GER in Kassel demnächst aufgelöst und in Wiesbaden zentral beim Landeskriminalamt angesiedelt werden.

Nach Ansicht des BDK-Bezirksverbandes bedeute die Auflösung der GER bei der Kasseler Kripo faktisch das Aus für Ermittlungen gegen international organisierte Rauschgiftbanden, die Kassel wegen seiner zentralen Lage in der Mitte Deutschlands als Umschlag- und Verteilerzentrum für das In- und Ausland immer häufiger nutzen.

„Die umfangreiche Kenntnis örtlich gewachsener Strukturen, die die Beamten von Zoll und Polizei in ihrer fast 20-jährigen Tätigkeit in der GER Kassel erlangen konnten, wären mit einem Schlag zerstört“, sagt Siemon. Außerdem würde das Rauschgiftkommissariat durch den Abzug der Zollbeamten personell so ausgedünnt, dass es kaum noch arbeitsfähig wäre. Genau das Gegenteil, nämlich eine personelle Aufstockung der Dienststelle, wäre bei immer größer werdenden Verfahrenskomplexen erforderlich.

Auch Volker Zeidler, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bezirksgruppe Nordhessen, hält diese weitere Zentralisierung zugunsten Südhessens für sinnlos. Über viele Jahre sei die Rauschgiftkriminalität in Nordhessen erfolgreich bekämpft worden. Wenn die Ermittlungsgruppe künftig in Wiesbaden angesiedelt sei, werde es in Kassel kaum noch Ermittlungen geben, sagt Zeidler.

Die letzte Entscheidung über den Erhalt oder die Auflösung der Kasseler Rauschgift-Ermittlungsgruppe liege jetzt bei Innenminister Boris Rhein, sagt Siemon. „Wir können nur noch einen letzten dringenden Appell an ihn richten, der geplanten Auflösung der GER in Nordhessen nicht zuzustimmen.“

Das Land Hessen verhandelte derzeit mit dem Zollkriminalamt über die zukünftige Struktur der gemeinsamen Ermittlungsgruppen, sagt Mark Kohlbecher, Sprecher des Hessischen Innenministeriums. „Eine abschließende Entscheidung ist noch nicht getroffen.“ Die Ermittler der GER Kassel hätten in der Vergangenheit, genau wie die GER Frankfurt, qualifizierte Arbeit geleistet. Das belege nicht zuletzt der jetzt bekannt gewordene Ermittlungserfolg in Kassel, sagt Kohlbecher.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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