Verkehrsforscher entwickelt Auto-Außenspiegel, der nahende Zweiräder meldet

Rücksicht auf Radfahrer

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Intelligenter Rückspiegel: Mithilfe von Sensoren soll das von Prof. Helmut Holzapfel (Foto) entwickelte System Autofahrer vor Radfahrern warnen, die sich von hinten dem Auto nähern.

Kassel. Diese Situation hat schon oft für Schrecksekunden und immer wieder auch für schwere Unfälle gesorgt: Ein Autofahrer oder ein Mitfahrer öffnet unachtsam die Autotür und ein von hinten kommender Radfahrer muss in letzter Sekunde ausweichen oder prallt ungebremst dagegen.

Ein System, das die Uni Kassel jetzt zum Patent angemeldet hat, kann helfen, solche Unfälle zu vermeiden.

Der 63-jährige Verkehrsforscher Prof. Helmut Holzapfel, Leiter des Fachgebiets Integrierte Verkehrsplanung und Mobilitätsentwicklung, hat die Idee zum Radfahrerschutz entwickelt. Es handelt sich um Außenspiegel, die mittels eines Mikrowellenradars Radfahrer orten und dem Autofahrer ein akustisches Warnsignal geben. „Alternativ kann auch ein Ultraschallsensor eingesetzt werden“, sagte Holzapfel. Die Warnung erfolgt nur, wenn das Auto abgestellt ist und einer der Insassen den Türgriff betätigt.

Noch gibt es keinen Prototypen, aber die technische Umsetzung sei relativ unproblematisch. Der Materialwert für die Technik liege unter zehn Euro und zum Teil müssten bestehende Sensoren im Auto nur ergänzt werden.

„Inzwischen gibt es Sensoren in Stoßstangen, die den Straßenzustand erfassen und das Fahrwerk darauf einrichten. Dagegen ist dieses System vergleichsweise einfach zu realisieren“, sagte Holzapfel. Der Forscher verhandelt bereits mit Vertretern der Autoindustrie, ob und wie die Idee umgesetzt werden kann.

Autotür blockiert

Möglicherweise könne das System auch mit der Autoelektronik gekoppelt werden, die in manchen Fabrikaten die Türschlösser steuere. Dann ließe sich die Tür erst gar nicht öffnen, wenn sich ein Radfahrer von hinten nähert.

Dass es Bedarf für die Entwicklung gibt, daran hat Holzapfel keine Zweifel. Die Gesellschaft für angewandte Sozialforschung und Planung hat in einer Untersuchung festgestellt, dass eine „sich plötzlich öffnende Autotür“ den ersten Rang bei den unangenehmen Situationen für Radfahrer einnimmt. 51 Prozent der Befragten äußerten Furcht davor.

Auf das Problem aufmerksam geworden ist Holzapfel durch die Masterarbeit eines Studenten. Dieser ermittelte, dass in etwa jedem 50. parkenden Auto jemand für längere Zeit sitzt, beispielsweise um zu essen, auf Mitfahrer zu warten oder das Mobiltelefon zu benutzen. „Diese Langsitzer sind besonders gefährlich, weil sie beim Öffnen der Tür oft nicht mehr aufmerksam sind“, sagte Holzapfel.

Auch mit der Versicherungswirtschaft ist Holzapfel bereits im Gespräch, um die baldige Durchsetzung des Systems zu erreichen.

Von Bastian Ludwig

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