Ausschließlich für friedliche Zwecke

Rüstungsforschung: Kasseler Studenten fordern Transparenz

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Ist gegen Rüstungsforschung: Anne Wiehr. Foto: Holscher

Kassel. An der Uni Kassel, so kann man in einer Anfrage des Hessischen Landtags an die Universitäten lesen, gab es zwischen 2010 und 2013 mit der Kasseler Rüstungsfirma Krauss-Maffei Wegmann zwei Projekte in Höhe von insgesamt 11 500 Euro. Dabei handele es sich allerdings nicht um rüstungsnahe Forschung, heißt es in dem Bericht seitens der Uni.

Ganz so glaubhaft erscheint das der Studentin Anne Wiehr allerdings nicht. Besonders da die Firma laut des Berichts aus dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst 95 Prozent ihrer Einnahmen mit rüstungsnahen Produkten einnimmt. Um welche Projekte es sich in den Jahren 2010 und 2011 handelte, wollte die Uni nicht beantworten (siehe „Das sagt die Uni“).

Ist gegen Rüstungsforschung: Anne Wiehr. Foto: Holscher

Die 20-jährige Anne Wiehr setzt sich deshalb mit zehn weiteren Studenten des Arbeitskreises „Zivilklausel“ für mehr Transparenz bei Militärforschung an der Kasseler Hochschule ein und hat einen offenen Brief an die Abgeordneten der Hessischen Landesregierung geschrieben. Der Grünenabgeordnete Daniel May schickte ihr daraufhin besagten Bericht zu. Seit zwei Jahren studiert Wiehr Elektrotechnik, weshalb das Thema von Anfang an für sie wichtig war. „Ich möchte schon wissen, ob ich es bei Projekten mit Rüstungsforschung zu tun habe oder nicht.“ Sie kritisiert, dass die Uni bei der Anfrage des Landtags Einschränkungen bei der Antwort vornahm: So wurde beispielsweise nur Auskunft zu Firmen gegeben, die zu den einhundert international umsatzstärksten Firmen gehören und im Jahr mindestens 90 Prozent ihres Umsatzes mit rüstunsnaher Produkten generieren. Doch was ist mit kleinen Zuliefererfirmen“, fragt sich Wiehr.

Zudem sei es merkwürdig, dass es sich gerade bei den Uni-Projekten mit der Firma Krauss-Maffei Wegmann um eine rüstungsferne Zusammenarbeit handele. Vor einem Jahr hat die Uni Kassel wie viele andere Universitäten auch eine Zivilklausel verabschiedet. Darin heißt es: „Forschung und Entwicklung, Lehre und Studium an der Universität Kassel sind ausschließlich friedlichen Zielen verpflichtet und sollen zivile Zwecke erfüllen.“

Die Hochschulleitung stehe zu dieser von Senat beschlossenen Linie und wirbt in der Universität dafür, dass keine Rüstungsforschung stattfindet, teilte Unisprecher Sebastian Mense mit. Allerdings mit Einschränkungen (siehe Artikel rechts).

Diese Klausel kritisiert der Arbeitskreis: „Die Klausel existiert, aber es wird nichts offengelegt“, sagt Wiehr. Der Arbeitskreis sei enttäuscht über diesen Zustand. Deshalb fordern sie, eine Transparenzklausel und einen Ethikrat. Das wurde vom Senat kürzlich abgelehnt. Die Firma Krauss-Maffei-Wegmann äußerte sich auf eine schriftliche Anfrage nicht zu dem Projekten.

Von Max Holscher

Das sagt die Uni Kassel zur Zivilklausel

Die Hochschulleitung steht zu der vom Senat beschlossenen Linie und werbe in der Universität dafür, dass keine Rüstungsforschung stattfindet, teilte Unisprecher Sebastian Mense mit. Die Freiheit der Wissenschaft schließe aber auch ein, dass jeder Wissenschaftler das Recht habe, über die Veröffentlichung der Forschungsinhalte selber zu entscheiden. Deshalb könnten zu den Projekten keine Angaben gemacht werden. Zudem habe es die Hoschulleitung wegen der im Grundgesetz verankerten Freiheit der Wissenschaft zu respektieren, wenn Professoren im Einzelfall Drittmittel rüstungsnaher Unternehmen einwerben würden. (mho)

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