Großlabor der Uni hilft mit Prüfanlage der Kasseler Firma PMZ, international Fuß zu fassen

Rüttelmarathon für Riesentrafo

Sie prüfen technische Goliaths auf Belastungsfähigkeit: Felix Kraft, technischer Leiter des PMZ (von links), PMZ-Geschäftsführer Dr. Axel Siemon, seine Mitarbeiter Kai Holzhauer und Sebastian Horwart, sowie Laborleiter Dr. Thomas Hahn vor der Uni-Prüfanlage. Foto: Dilling

Kassel. Gewaltige Hydraulikstempel rütteln den grauen Goliath in einem blauen Stahlkäfig heftig durch: Der 5,3 Tonnen schwere Transformator, den die Firma Siemens für die Schweizer Bahn entwickelt hat, muss im Massivbau-Labor der Uni Kassel einen Belastungsmarathon bestehen.

Innerhalb von 15 Stunden muss der Trafo, der später im Fahrgestell eines Doppelstocktriebwagens Dienst tun soll, den Stress von 25 Betriebsjahren aushalten. Deshalb wird ihm bis zur sechsfachen Belastung wie im realen Fahrbetrieb zugemutet. Schwergewichtige technische Geräte sind häufiger in der mehr als 50 Tonnen schweren universitätseigenen Anlage auf dem Prüfstand. „Die Anlage ist einzigartig in Europa“, sagt Laborleiter Dr. Thomas Hahn. Auch Klimageräte für den ICE seien dort schon getestet worden.

Der Belastungsmarathon des Transformators ist ein Beleg dafür, wie gut die Universität Kassel mit ihren technischen Möglichkeiten den Aufschwung regionaler Firmen befeuert: In diesem Fall nutzt das Prüf- und Messtechnik-Zentrum Kassel (PMZ), von den Wurzeln her ein Eigengewächs der Hochschule, die Anlage für einen Industrieauftrag. Das PMZ ist häufiger Kunde im Uni-Großlabor.

Vortest statt Folgekosten

Die Firma testet für Unternehmen weltweit deren schweres technisches Gerät. PMZ sei beispielsweise von der chinesischen Eisenbahngesellschaft akkreditiert worden und auch in Europa und Russland immer besser im Geschäft, sagt Geschäftsführer Dr. Axel Siemon.

Die Universität verschafft der Firma PMZ einen Wettbewerbsvorteil: Auch Abnehmer von schwergewichtiger technischer Ausrüstung aus Übersee verlangten inzwischen Produkte, die nach strengen europäischen Normen auf Belastbarkeit und Lebensdauer geprüft seien, sagt Siemon. Das sei verständlich. Denn der Austausch eines defekten Transformators verursache viel höhere Kosten als der vorherige Belastungstest.

Das PMZ bietet großen Firmen, die unter anderem Klimaanlagen und Transformatoren ins Ausland verkaufen, mit Unterstützung der Uni diesen Service. In den vergangenen Jahren sei das Unternehmen „kontinuierlich gewachsen“, erklärt Siemon. Umsatzzahlen will er allerdings nicht nennen.

Nach den Worten von Thomas Hahn nutzen jährlich bis zu fünf Kunden aus der Industrie das Massivbau-Labor, in dem Wissenschaftler zu Forschungszwecken beispielsweise sperrige Brückenbauteile testen. Auch die Amtliche Materialprüfungsanstalt (AMPA) der Universität nutzt das Labor.

Fremdaufträge aus der Industrie seien wichtig, weil die Universität die Unterhaltungskosten für das Spezial-Labor allein aufbringen müsse, sagt Hahn.

Von Peter Dilling

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