Pleitegefahr vierfach erhöht

Ruinöse Geschäfte in der Logistikbranche

Kassel. 33.000 Menschen arbeiten in Nordhessen in der Logistik – das sind zehn Prozent aller Beschäftigten. Die Branche hat aber ein großes Problem: Die Firmen gehören zu den Spitzenreitern bei den Pleiten.

Während im landesweiten Durchschnitt sieben von 1000 Unternehmen jährlich Insolvenz anmelden, sind es bezogen auf die Speditionen und den Güterverkehr 27 von 1000 Firmen. Die Tendenz ist steigend. Dies geht aus Daten des statistischen Landesamtes und des Bundesamtes für Güterverkehr hervor.

Für Nordhessen gibt es keine Zahlen zu Insolvenzen in der Branche. Doch die Region dürfte als Logistikstandort stark betroffen sein.

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Eugen Jung, Mitglied im hessischen Arbeitgeberverband der Branche (VDV) und Geschäftsführer der Kasseler Spedition Jung, sieht die Ursachen im harten Preiskampf, hohen Dieselpreisen und schlechter Zahlungsmoral. Teilweise zahlten Auftraggeber erst 60 Tage nach der Rechnungsstellung.

Oft gebe es einen Dominoeffekt: Eine Spedition melde Insolvenz an und etliche Subunternehmer gerieten ebenfalls in finanzielle Probleme. „Die Subunternehmer haben eine mittlere Verfallsdauer von 17 Monaten“, sagt Jung. Das heißt, die Fuhrunternehmen, die mit Lkws auf eigene Rechnung für Speditionen fahren, verschwinden oft nach anderthalb Jahren – aber es entstehen immer wieder neue.

Hauptproblem sei, dass keine Marktbereinigung stattfinde. Es gebe Speditionen, die unterböten dauerhaft das Preisniveau der Konkurrenz und steuerten deshalb wegen zu geringer Erlöse in die Insolvenz. Oft würden sie von Insolvenzverwaltern entschuldet und führten mit zum Teil gleicher Leitung ihre Billigpreispolitik fort.

In Hessen gibt es etwa 3200 Speditionen und Transportfirmen. 88 Unternehmen meldeten 2011 Insolvenz an – der höchste Stand seit zehn Jahren. Für 2012 gibt es noch keine Daten.

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