Stadtverordneter Karl Schöberl mischte mit Band die närrische Stavo auf

Marcus Leitsschuh

Kassel. Was erst nur nach derbem karnevalistischen Schabernack aussah, endete fast im Eklat: Moderator Lars Reiße stoppte den Grünen-Büttenredner Karl Schöberl am Sonntag zu später Stunde, weil der bei der närrischen Stavo mit seinem politischen Rundumschlag kein Ende fand.

Beifall gab es, aber auch viele Aufhören-, Aufhören-Rufe. Der Grünen-Stadtverordnete Karl Schöberl testete während der Faschingssitzung der Kasseler Stadtverordneten im Bürgersaal des Rathauses die Grenzen zwischen närrischem Florettgefecht und politischem Keulenschlag mit karnevalistischem Anstrich genüsslich aus. Mit neongrüner Lockenperücke, lautstark unterstützt von den Tuben, Saxophonen und Trommeln seiner Band „Blech und Schwefel“, gab er den bösen Wolf. Als solcher verschreckte er die Schar der auf Frohsinn eingestimmten Stadtverordneten und Magistratsmitglieder und ließ Oberbürgermeister Bertram Hilgen die Gesichtsmuskeln einfrieren.

Schöberl holte zum verbalen Rundumschlag aus, verschonte auch die eigenen Leute nicht. „Die Spaß-Fraktion hat sich verpisst, so viel zu guter Teamarbeit“, rief er ihnen zu, nach eigenem Bekunden sauer über zu wenig Unterstützung beim politischen Reimen.

Heftige Seitenhiebe

Den Karneval zum Frontalangriff auf alle Fraktionen genutzt: Karl Schöberl (links), musikalisch begleitet von der Blasmusik-Band „Blech und Schwefel“, redete in der Bütt Klartext. Er wurde wegen Überschreiten des Zeitlimits schließlich ausgebremst. Fotos: Dilling

Dann verteilte der Grüne an die CDU heftige Hiebe: „Der Doose (Bernd-Peter Doose, stellvertretender CDU-Fraktionschef) hat nicht viel zu sagen, es sei denn, es geht um Straßennamen.“ Und über Unionsfraktionschef Dr. Norbert Wett, reimte er: „Weil den Wett keiner mag, will er in den Bundestag.“ Linke, FDP und Piraten waren dem Grünen nur Häme wert, die Liberalen gar nur ein Einzeiler: „FDP, herjemine“.

Auch das Bündnis aus Grünen und SPD geriet in sein Visier: „Die Stimmung ist oft sehr getrübt, was man von außen nicht so sieht.“ Der Barthel (Dr. Jürgen Barthel, Kämmerer) ist´s, der Schöberl besonders nervt. Der greife oft zum Telefon und mache ständig Druck mit der Drohung von Gesprächen mit der Opposition.

Einer der so angegangenen schlug beherzt zurück: Die Grünen „kommen ja sonst nicht zu den Vereinen in den Sälen, sie mussten deshalb heute etwas länger krähen“, entgegnete Marcus Leitschuh, Büttenredner der Gemeinschaft Kasseler Karnevalsgesellschaften (GKK) und Stadtverordneter der CDU. Schöberl hatte hämisch dessen angebliche große Leidensfähigkeit in der Unionsfraktion gelobt.

Stadtrat und „Magistratsbelichter“ Hajo Schuy von der SPD stellte am Ende lakonisch fest: „Ob es gut läuft oder schlecht, der Magistrat hat immer recht.“

Von Peter Dilling

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.