Ausländer finden Uni Kassel mittelmäßig – Standort Witzenhausen tut etwas dagegen

Russin fühlt sich wohl

Fühlt sich richtig wohl: Master-Studentin Ljuba Lapatina genießt die Ruhe und die Natur rund um Witzenhausen. Foto:  Shuhaiber

Witzenhausen. Auf den ersten Blick ist Witzenhausen kein Anziehungspunkt für Studenten. In der Kirschenstadt geht es beschaulich zu. Pulsierendes Nachtleben sucht man hier vergebens. Doch für Ljuba Lapatina ist die ländliche Idylle die ideale Umgebung. „Viele sagen, dass es zu ruhig ist, aber ich liebe die Nähe zur Natur“, sagt sie.

Die 27-Jährige verließ vor zweieinhalb Jahren ihre russische Heimat, um in Witzenhausen den Master „International Foodbusiness and Consumer Studies“ (Internationale Ernährungslehre und Verbraucherstudien) zu absolvieren. Lapatina stammt aus St. Petersburg. Hier studierte die junge Frau fünf Jahre lang konventionelle Agrarwissenschaft. Weil es dort keine Ökologische Agrarwissenschaft gab, entschied sie sich für das Master-Studium in Witzenhausen. „Ich finde es toll, dass ich hier sowohl ökologische als auch konventionelle Lebensmittel kaufen kann“, sagt sie. In Russland gebe es Bio-Produkte nur in Apotheken.

Die 27-Jährige fühlt sich in Witzenhausen wohl. Alles liege eng beieinander und sei gut zu Fuß zu erreichen. Die offene und herzliche Art der Menschen habe es ihr angetan. Dass sich Fremde auf der Straße einen guten Tag wünschen, kannte sie vorher nicht. Und auch ihre Mutter sei sehr erstaunt darüber gewesen, als sie ihre Tochter das erste Mal besuchte.

„Es ist eine kleine Stadt, die viele Nationalitäten vereint und in der man ständig Englisch hört“, sagt Lapatina. Derzeit betreut sie als Tutorin Erstsemester aus dem Iran, Indien, Indonesien, Russland, Afrika und den USA. Sie unterstützt die Studierenden unter anderem bei Behördengängen und der Wohnungssuche.

Zufall ist das nicht, berichtet Ute Gilles, zuständig für die Betreuung ausländischer Studierender. Sie organisiert das Programm. „Die Tutoren holen die neuen Studenten schon bei ihrer Ankunft am Bahnhof ab“, sagt Gilles.

Die Wohnungssituation in Witzenhausen beschreibt Lapatina als gut. Sie lebt in einer Zweier-WG im Studenten-Wohnheim. Es gebe keine Discos, aber wen die Partylaune erwische, der könne auf einer von unzähligen WG-Partys feiern.

Bei all dem Lob hat sie auch Kritik: „Es sollte öfter Veranstaltungen wie das Stadtfest geben“, wünscht sie sich. Aber das ist für die 27-Jährige kein Grund, die Stadt zu verlassen. Derzeit macht sie ihren Abschluss und wenn alles gut geht, will sie anschließend promovieren. Dann könnte Lapatina in Witzenhausen bleiben.

Von Alia Shuhaiber

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