Salafismus: Zwei Kasseler Moscheen unter Beobachtung

Kassel. Mehrere Moschee-Vereine in Kassel werden wegen extremistischer Tendenzen vom Verfassungsschutz beobachtet. In der Gemeinde des Islamischen Zentrums Kassel und der Al-Rahman-Moschee bestünden Kontakte in die salafistische Szene.

Das teilte der Verfassungsschutz auf HNA-Anfrage mit.

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Insgesamt gibt es 18 Moscheen und muslimische Gebetsräume in Kassel. Ob weitere wegen islamistischer Beeinflussung unter Beobachtung stehen, dazu gab der Verfassungsschutz keine Auskunft.

Wegen der Verteilung kostenloser Korane, die bundesweit im großen Stil von dem Kölner Salafisten Ibrahim Abou-Nagie organisiert wird, war im April bereits das Islamische Zentrum Kassel/Al-Huda-Moschee (Erzberger Straße) in die Schlagzeilen geraten. Danach hat sich mehrfach auch die Al-Rahman-Moschee (Mauerstraße) an der Aktion beteiligt, zuletzt mit einem Stand an der Wilhelmstraße am vergangenen Samstag.

Die Informationsstände waren jeweils bei der Stadtverwaltung angemeldet, verboten ist das Verteilen von Koran-Exemplaren nicht. Alle Koran-Stände wurden von der Polizei beobachtet, zu Zwischenfällen kam es nicht.

Aus Sicht des Verfassungsschutzes dient die Koranverteilung nicht nur der Information. Ziel sei es vielmehr, Anhänger für den Salafismus zu gewinnen. Diese Form des religiös motivierten Extremismus sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Um der Gefahr durch salafitische Propaganda entgegenzuwirken, müssten die Kommunen die Moschee-Vereine in ein gemeinsames Netzwerk integrieren, sagt die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke, die am Dienstag in Kassel einen Vortrag hält. „Es funktioniert nicht, wenn nur Politik, Polizei und Verfassungsschutz die Gemeinden zu sich zitieren.“

Aber auch die breite Mehrheit der Muslime sei gefragt, ihre Ablehnung extremistischer Strömungen nach außen sichtbar zu machen. (rud)

Archivfotos: Salafisten verteilten Koran in Kassel

Salafisten verteilten Koran in Kassel

Rubriklistenbild: © dpa

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