Ministerium erteilt Erlaubnis

Nach Salafisten-Vorwürfen: Muslimische Kita in Kassel darf öffnen

Fatih Erden Porträt-Foto
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Fatih Erden, Vorsitzenden des Muslimischen Fördervereins will kritisiert die Behörden.

Die in Kassel geplante Kita Sonnenschein darf nun wohl doch öffnen. Der Verfassungsschutz hatte einige Mitglieder des Fördervereins der Muslimischen Kita wegen des Verdachts auf radikalen Salafismus beobachtet.

Kassel – Im März stand die muslimische Kita Sonnenschein vor dem Aus. Nun soll die in der Hegelsbergstraße geplante Einrichtung doch eine Betriebserlaubnis erhalten. Die hatte das hessische Sozialministerium im Frühjahr verweigert, weil die gesellschaftliche und sprachliche Integration der Kinder nicht gewährleistet sei.

Anlass war ein Bericht des hessischen Verfassungsschutzes, laut dem Gründungsmitglieder des Elternvereins Mebi Anhänger des ultrakonservativen Salafismus seien. Jetzt will die Behörde in Wiesbaden dennoch eine Erlaubnis erteilen – gegen Auflagen, wie Staatssekretärin Anne Janz der HNA bestätigte.

Laut Fatih Erden, dem Vorsitzenden des 2015 gegründeten Muslimischen Fördervereins für Erziehung, Bildung und Integration (Mebi), sollen die genauen Auflagen demnächst mit der Behörde abgestimmt werden. Demnach verlangt das Sozialministerium unter anderem eine Zusammenarbeit mit Grundschulen, anderen Kitas und der Universität. Dies alles sei im pädagogischen Konzept ohnehin vorgesehen gewesen, versichert Erden. So soll ein wissenschaftlicher Beirat die Konzeption weiter vorantreiben. Wann die Einrichtung an der Grenze zwischen Nordstadt und Philippinenhof-Warteberg starten kann, weiß er noch nicht.

Erden kritisiert die Behörden. Bis heute habe ihm niemand gesagt, welche Personen im Fokus des Verfassungsschutzes standen: „Wir wissen nicht, welche Eltern verdächtig sind.“ Er habe jedes der 13 Vereinsmitglieder gegoogelt, für alle „lege ich die Hand ins Feuer“. Zudem habe das Sozialministerium mit seiner ursprünglichen Entscheidung für verhärtete Fronten gesorgt: „Dabei sind wir ganz normale Muslime.“

Antje Proetel vom Dachverband freier Kindertageseinrichtungen (Dakits) in Kassel will die Entscheidung nicht kommentieren. Allerdings kennt die Geschäftsführerin bundesweit keinen vergleichbaren Fall: „Vom Grundsatz her ist es nichts Verwerfliches, eine muslimische Kita zu gründen.“ Trotzdem findet sie es für die Integration schade, dass die muslimischen Kinder dort wohl unter sich bleiben werden, weil andere Eltern ihren Nachwuchs eher nicht dort anmelden werden.

Kritik an der Entscheidung kommt hingegen vom Kasseler CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael von Rüden: „Für uns ist das eine Kehrtwende um 180 Grad. Was sich da abspielt, ist sehr problematisch.“ Die Christdemokraten wollen das Thema in der Stadtverordnetenversammlung ansprechen und Fragen an die grüne Jugenddezernentin Ulrike Gote stellen. Die wollte sich bislang nicht äußern. Foto: Privat/nh

Von Matthias Lohr

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