Erhalt der Anlage gefährdet

Salzmann: Denkmalschutz will Zerstörungen an Fabrik-Denkmal begutachten

Kassel. Das Landesamt für Denkmalpflege will sich ein Bild von den jüngsten Zerstörungen in der ehemaligen Salzmann-Fabrik in Bettenhausen machen. Dies kündigte Landesdenkmalpfleger Dr. Peer Zietz auf HNA-Anfrage mit.

Anschließend werde darüber nachgedacht, ob und zu welchen Instandhaltungsarbeiten der Eigentümer Dennis Rossing aufgefordert wird. Wie unsere Zeitung berichtete, ist der über 100 Jahre alte Komplex seit dem Scheitern der Umbaupläne in ein Technisches Rathaus dem Vandalismus preisgegeben.

„Mit dem Scheitern des Umbaus wird sich die Situation verschlechtern. Jetzt muss man prüfen, inwieweit man dem entgegentritt“, sagt Zietz. Dies wolle er jetzt gemeinsam mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Kassel beraten. Wenn Gefahr für das Denkmal im Verzug sei, müssten diese Schäden behoben werden. Wenn etwa wegen der zerstörten Fenster Wasser in das Gebäude eindringt, sei das „nicht förderlich“ für die Bausubstanz.

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Nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes können Behörden die Eigentümer von Kulturdenkmälern dazu verpflichten, substanzgefährdende Schäden zu beseitigen. Weigert sich dieser, kann ein Zwangsgeld verhangen werden. Wenn der Zustand des Denkmals einen sofortigen Eingriff erfordert, können die Behörden die Reparaturarbeiten selbst beauftragen und den Eigentümer zur Erstattung der Kosten heranziehen.

„In den nächsten Tagen wird es einen Ortstermin mit der Landesdenkmalpflege geben. Dabei werden sich die Denkmalpfleger den aktuellen Zustand anschauen und über das weitere Vorgehen entscheiden“, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich.

In den vergangenen Monaten wurden etliche Fenster der leerstehenden Fabrik eingeschlagen. Den bisherigen Mietern – vor allem Kulturinitiativen – war im vergangenen Sommer wegen der Pläne für ein Technisches Rathaus gekündigt worden. Im April 2013 wurde der Umbau schließlich wegen der gescheiterten Finanzierung abgesagt.

Hintergrund: Darum ist die Anlage ein Kulturdenkmal

• Aus künstlerischen Gründen sind die Gebäude entlang der Sanderhäuser Straße mit ihren neugotisch gestalteten Fassaden, dem Treppenhaus des Verwaltungsgebäudes und dem original ausgestatteten Sitzungszimmer Kulturdenkmäler.

• Aus technischen Gründen sind die Dachkonstruktionen der Produktions- und Verwaltungsgebäude, an denen man die Entwicklung der Bautechnik von der Holz- über die Stahl - zur Stahlbetonkonstruktion ablesen kann, der Wasserturm und der Industrieschornstein Kulturdenkmal.

• Aus geschichtlichen Gründen ist die Anlage Kulturdenkmal, da sie den Aufstieg eines bedeutenden Kasseler Industriebetriebes von den 1890er-Jahren bis zur Stilllegung 1971 repräsentiert.

• Aus städtebaulichen Gründen ist die Fabrikanlage ein Kulturdenkmal, da sie in der Tradition ländlichen Hofanlage (Hofreite) angelegt ist und mit seinen mächtigen Bauten einen ganzen Stadtteil prägt.

Von Bastian Ludwig

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Salzmann - Gebäude ist Vandalismus preisgegeben

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