Kritik an neuem Konzept

Salzmann-Eigentümer Rossing spaltet Bettenhausen

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Salzmann

Bettenhausen. Unangemeldet erschien der Bad Hersfelder Investor Dennis Rossing am Donnerstag zur Ortsbeiratssitzung, um sein neues Konzept für das Salzmann-Areal vorzustellen. Nur der ehemalige Ortsvorsteher Peter Tippmann (Freie Wähler) war eingeweiht, Rossing hatte ausschließlich ihn bereits am Mittwoch informiert.

Erst mit Tippmanns Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung erfuhr auch Ortsvorsteher Enrico Schäfer (SPD) davon. Eine prekäre Situation für den Ortsbeirat. Trotzdem räumte man Rossing die Möglichkeit ein, seine Pläne vorzustellen. „Schließlich haben wir ein Interesse daran, dass dort etwas passiert“, sagte Schäfer. Bisher habe der Ortsbeirat nur aus der HNA vom neuen Konzept erfahren.

Rossings nutzte zunächst die Chance, die Gründe für das Scheitern bisheriger Projekte zu skizzieren und schob den Schwarzen Peter der Stadt zu. Er wies unter anderem auf die Zusage für Erschließungskosten in Höhe von elf Millionen Euro für die Multihalle hin, die nicht gezahlt worden seien, und dass man beim Abschluss des Mietvertrages für das Technische Rathaus zu lange gezögert habe.

Rossing erntete Kopfschütteln. Alfons Fleer (Grüne): „Uns interessiert die Zukunft“. Viele waren auch der Meinung, dass es sich hier um verdrehte Tatsachen handele.

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Inhaltlich hat das Konzept laut Ortsvorsteher nicht viel Neues zu bieten. Es sieht eine multifunktionale Nutzung unter anderem mit Appartements, Büros und Einzelhandelsflächen vor (siehe Hintergrund unten). Schäfer: „Eine gehörige Rolle rückwärts auf den Stand von vor zehn Jahren mit Nahversorgung und Einzelhandel.“ Es sei unverfroren, alte Kamellen vorzustellen, die „weder „zulässig und politisch durchsetzbar, noch umsetzbar sind.“

Das Vorhaben hat den Ortsbeirat gespalten:

• Dr. Uwe Egen (Freie Wähler): „Geht es hier um die Interessen Bettenhausens oder um Parteilpolitik“.

• Fleer (Grüne): „Wer das Projekt nicht unterstützt, ist für den Abriss dieses denkmalgeschützten Gebäudes.“

• Peter Hofmeister (CDU): „Es wäre sinnvoll, das Projekt positiv zu begleiten, um ein Signal zu setzen.“

• Oliver Schäfer (CDU): „Die Vision ist wünschenswert. Umsetzbarkeit ist eine andere Sache.“

Einig war man sich nur in der Zielvorgabe: Salzmann erhalten. Wie tief der Graben über das Wie an diesem Abend war, zeigte nicht nur die hitzige Debatte, sondern auch die Tatsache, dass einige die Sitzung verließen: Volker Zeidler, Bernd Weber, Harry Völler, Reiner Lacher und Erhard Göbel (alle SPD). Auch ein Beschluss wurde nicht gefasst.

Das Thema wird im April in die nächste Runde gehen. „Wir müssen sachlich diskutieren, was für Bettenhausen eine vernünftige Lösung ist“, fasste Schäfer zusammen. Aber: „Nach diesem unangemeldeten Auftritt des Salzmann-Investors habe ich erhebliche Zweifel an der Ernsthaftigkeit und am Konzept.“

Von Helga Kristina Kothe

Hintergrund: Multifunktionale Nutzung geplant

Salzmann-Eigentümer Dennis Rossing setzt nach dem Scheitern des Behördenzentrums auf dem Salzmann-Gelände auf ein neues multifunktionales Vorhaben. Er plant, an der Sandershäuser Straße rund 160 Studentenappartements, Büros, Gastronomie und Einkaufsflächen mit rund 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu errichten. Zudem sollen dort wieder Künstler, Musiker und die Kulturfabrik Salzmann als Mieter einziehen.

Es soll um eine Investitionssumme von rund 37 Millionen Euro gehen. „Das Konzept ist wirtschaftlich tragfähig“ sagte Rossing. Er sei auch offen für Alternativen, wenn sie wirtschaftlich machbar seien. Der Bad Hersfelder Unternehmer machte jedoch auch deutlich, dass es für ihn derzeit nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder ein Konzept wie dieses umsetzen und Salzmann erhalten, oder das Areal weiterhin dem Verfall preisgeben. (pke)

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