Wieder Sammelaktion: Alle wollen alte Handys

Mehr als Elektronikschrott: In einer Tonne Mobilfunktelefone stecken etwa 250 Gramm Gold und weitere Metalle. Foto:  dpa

Kassel. Es sind Schätze, die entweder noch in Schubladen schlummern oder im Hausmüll landen. Die Deutsche Post ruft deshalb zurzeit per Hauswurfsendungen auch in Stadt und Landkreis Kassel dazu auf, alte Handys in den mitgelieferten Umschlag zu stecken und an ein Recyclingunternehmen zu schicken.

Eine Praxis, die die Entsorgungsunternehmen in Stadt und Landkreis nicht gern sehen. Denn durch diese Aktion gehen ihnen unter anderem echte Werte durch die Lappen.

Allein rund 250 Gramm Gold stecken in einer Tonne Mobilfunktelefone. Und schätzungsweise 72 Millionen Althandys liegen bundesweit noch in Haushalten und Büroschränken herum. Doch nach Schätzungen werden immer noch rund 60 Prozent der Altgeräte im Hausmüll entsorgt und somit unwiederbringlich vernichtet. Dabei werden auch giftige Stoffe wie Cadmium und Blei freigesetzt.

Rücknahmeaktion

Post und Telekom haben deshalb eine große Rücknahme- und Verwertungsaktion für alte Handys gestartet. Nicht nur für die Umwelt wolle man etwas tun, auch die Aktion „Ein Herz für Kinder“ soll laut Telekom-Sprecher René Bresgen profitieren. Erlöse und Spendengeld aus dieser Aktion sollten in Projekte der Hilfsorganisation gesteckt werden. So würden zwei Euro für jedes eingesammelte Alt-Handy an die gemeinnützige Aktion geleitet. Zurzeit würden rund 22 Millionen Rücksende-Umschläge an deutsche Haushalte versendet. Gemeinsam mit TV-Moderator Thomas Gottschalk hatte die Telekom gewettet, dass es gelingt, in zehn Wochen 500.000 Handys einzusammeln.

Mehr Infos unter www.stadtreiniger.de und www.abfall-kreis-kassel.de

Den Entsorgungsbetrieben in Stadt und Landkreis wäre es freilich lieber, wenn die Bürger von den kostenfreien Angeboten der öffentlich rechtlichen Entsorger vor ihrer Haustür Gebrauch machen würden, sagen Stadtreiniger-Sprecherin Birgit Knebel und Kreissprecher Harald Kühlborn.

Denn der Elektronik-Schrott ist ein wichtiger Lieferant von Stahl, Gold, Platin, Kupfer und seltenen Metallen. Da die Demontage und Schadstoffentsorgung bei Fernsehern und Bildschirmen sehr kostenintensiv sei, könne die einträgliche Handyverwertung den Entsorgungsbetrieben zusätzliche Einnahmen verschaffen.

Nicht nur das: Da man bei der Demontage und Verwertung von Unterhaltungselektronik mit der Gesellschaft der Werkstätten zusammenarbeite, unterstütze man auch bei der Handyverwertung eine soziale Einrichtung mit Arbeitsangeboten für behinderte Menschen in der Region.

Kurze Wege in die Behindertenwerkstätten Calden seien ein weiteres ökologisches Argument, auch die alten Mobiltelefone besser dem regionalen Entsorger zukommen zu lassen, führt Birgit Knebel ins Feld. Zumal die behinderten Menschen weitaus gründlichere Arbeit als Maschinen leisteten. So könnten auch Schadstoffe besser entsorgt werden.

Von Martina Heise-Thonicke

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