Samuel-Beckett-Anlage

Samuel-Beckett-Anlage: Jugendgruppen rauben Anwohnern den Schlaf

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Manchmal liegen morgens die Schnapsleichen gleich neben den leeren Flaschen: Zum Leidwesen der Bewohner ist die Samuel-Beckett-Anlage in den warmen Nächten ein beliebter Treffpunkt für Jugend-Cliquen, die hier vor allem viel Alkohol trinken.

Kassel. Lautes Grölen, zerstörte Bänke, Flaschen, Scherben und Müll. Dazu Uringeruch, Hunde- und Menschenkot sowie Lachen von erbrochenem Alkohol: So schildern Bewohner im Vorderen Westen das Szenario, das sich in vielen Wochenend-Nächten auf der Samuel-Beckett-Anlage abspiele.

„Es ist schockierend, was hier abgeht“, sagte eine Anwohnerin bei der Sitzung des Ortsbeirats.

In den vergangenen Monaten hätten sich nachts bis zu 20 Jugendliche auf der Wiese und dem Spielplatz vor den Wohnhäusern getroffen. Meistens mit jeder Menge Alkohol im Gepäck und vor allem im Blut. „Vandalismus, Randale und Saufen, das geht an den Wochenenden von 22 Uhr bis morgens um fünf so“, erzählt ein Ehepaar, das erst im August in die Beckett-Anlage gezogen ist. Ihre Namen möchten die Bewohner nicht nennen, mit den zumeist betrunkenen Randalierern wollen sie sich lieber nicht anlegen. Die seien oft sehr aggressiv.

„Wir haben auch beobachtet, dass sich die Mitarbeiter vom Ordnungsamt und selbst die Polizisten manchmal nicht trauen, aus ihren Autos zu steigen“, berichtet das Ehepaar, das die Ordnungshüter oft anruft, wenn ihnen die Randalierer mal wieder den Schlaf rauben. Dem Ortsbeirat ist das Problem bekannt. Konflikte mit alkoholisierten Jugendhorden gibt es im Stadtteil auch an anderen Stellen, beispielsweise am Tannenwäldchen. Ein beliebter Treffpunkt vieler Jugend-Cliquen waren früher die Goetheanlagen. Seitdem dort ein Alkoholverbot verhängt wurde, ist es ruhig geworden.

Mehr zur Samuel-Beckett-Anlage lesen Sie im Regiowiki.

Von einer Verlagerung der Szene von der Goetheanlage zur Beckett-Anlage könne aber keine Rede sein, sagt Ortsvorsteher Wolfgang Rudolph (SPD). „Das hängt hier vor allem mit der Eröffnung des Rewe-Marktes an der Friedrich-Ebert-Straße zusammen, der bis 24 Uhr geöffnet ist.“ Die Jugendlichen würden dort ihren Alkohol kaufen und sich damit in die Anlage verziehen. Zum Schutz der Angestellten habe der Marktleiter an den Wochenenden sogar einen Sicherheitsdienst engagiert, berichtet der Ortsvorsteher. Auch vor dem Markt selbst sehe es morgens oft übel aus, erzählt ein Anwohner: „Das ist hier total versifft.“ Es sei jedoch fraglich, ob für die Beckett-Anlage ein generelles Alkoholverbot erwirkt werden könnte, sagt Rudolph: „Da müsste man die ganze Stadt zur Verbotszone erklären und das ist juristisch nicht machbar.“

Mit den kühlen Herbstnächten sei es nun ruhiger geworden, sagen die Bewohner. Die letzte schlimme Nacht sei bislang die auf den Feiertag am 3. Oktober gewesen. „Aber was wird ab kommendem Frühjahr hier wieder los sein?“, fragen sie besorgt.

Der Ortsbeirat beschloss, das Thema nicht aufzuschieben. Bei der nächsten Sitzung soll es auf der Tagesordnung stehen.

Von Monika Puchta

Das sagt die Stadt

Nicht zu viele Alkoholverbots-Zonen

Sozialarbeiter des Jugendamtes, sogenannte „Cliquenbetreuer“, werden künftig die Samuel-Beckett-Anlage beobachten und Kontakt mit den Jugendlichen aufnehmen. Das sagt Rathaus-Sprecherin Petra Bohnenkamp auf HNA-Anfrage. Bereits am vergangenen Samstag sei am späten Abend ein Mitarbeiter der Kinder- und Jugendförderung vor Ort gewesen, Jugendliche habe er dort aber nicht getroffen.

Grundsätzlich gebe es die Möglichkeit, in der Stadt Alkoholverbotszonen einzurichten. Doch sollte man dieses Mittel nicht zu oft einsetzen, denn häufig wichen die Cliquen dann auf andere Plätze aus. In Gegenwart von „Uniformierten“ komme es aber grundsätzlich nie zu Störungen in öffentlichen Anlagen, sagt Bohnenkamp. Die Ordnungshüter würden zwar auf Flaschen, Müll und ähnliche Hinterlassenschaften stoßen. Doch blieben diese „Grenzüberschreitungen“ folgenlos, wenn sie keinen Täter ausfindig machen könnten.

Ein positiver Einfluss der Ordnungshüter auf die Störer sei ohnehin nicht zu erwarten. Denn die Ursachen für das Verhalten der Jugendlichen seien oft auf Erziehungsdefizite im Elternhaus und in der Schule zurückzuführen, sagt die Rathaus-Sprecherin. (ppu)

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