Es verkürzt belastende Bestrahlung nach Operation

Sanfter gegen Brustkrebs durch neues Therapieverfahren

Neues Therapieverfahren: Prof. Thomas Dimpfl erklärt, wie die Bestrahlung in der Tumorhöhle mit dem neuen Gerät funktioniert. Der kugelförmige Applikator wird nach der Entfernung des Tumors in der Wundhöhle platziert. Foto: Konrad

Kassel. Mit einem neuen Verfahren in der Brustkrebstherapie, das am Klinikum Kassel angewendet wird, kann die herkömmliche, in der Regel sechs bis sieben Wochen dauernde Bestrahlung nach der Entfernung des Tumors jetzt verkürzt werden.

In bestimmten Fällen kann sie sogar ganz entfallen. Auch Frauen, die wiederholt an Brustkrebs erkrankt sind, bietet das neue Verfahren die Möglichkeit, eine Amputation der Brust zu vermeiden.

Prof. Thomas Dimpfl, Direktor der Frauenklinik und Leiter des Interdisziplinären Brustzentrums am Klinikum Kassel, stellte die sogenannte „Intraoperative Strahlentherapie“ (IORT) nun etwa 50 Ärzten aus der Region vor. Sobald der Tumor vollständig entfernt ist, wird mit dem 500 000 Euro teuren Gerät ein kugelförmiger Applikator in der Wundhöhle platziert.

„Wir können auf diese Weise sehr schnell schon während der OP das Gewebe ganz präzise in der Wundhöhle bestrahlen“, sagt Dimpfl. Die Bestrahlung dauert zwischen 20 und 40 Minuten, je nach Größe des Tumors. Die anschließende, herkömmliche und für die Patientinnen belastende Bestrahlung kann so laut Dimpfl um knapp zwei Wochen verkürzt werden. Bei älteren Patientinnen mit einzelnen Tumorherden in frühen Stadien sowie bei über 50-jährigen Frauen mit einem frühen Brustkrebs kann nach der einmaligen IORT-Bestrahlung komplett auf eine weitere Strahlentherapie verzichtet werden, sofern diese Patientinnen im Rahmen einer klinischen Studie behandelt werden. An einer solchen Studie ist das Klinikum Kassel beteiligt.

Die bisherigen Studien haben Dimpfl zufolge ergeben, dass die Behandlungsoptionen mit dem neuen Verfahren den herkömmlichen mindestens gleichwertig sind, was das Risiko eines wiederholten Auftretens des Tumors (Rezidiv) angeht. Frauen, bei denen ein Rezidiv auftritt, können in der Regel kein zweites Mal eine Strahlentherapie erhalten. Häufig muss dann die Brust abgenommen werden. Auch hier bietet die IORT eine Alternative: Studien haben laut Dimpfl gezeigt, dass die Rezidivrate bei diesen Frauen nach einer einmaligen Bestrahlung in der Wundhöhle unter fünf Prozent lag, also sehr gering war, und so auf eine Amputation der Brust verzichtet werden konnte. Allerdings betont Dimpfl, dass die Wahl der Therapie immer eine Einzelfallentscheidung ist.

Einen weiteren Vorteil der IORT sieht der Brustkrebs-Spezialist darin, dass nicht nur sehr gezielt, sondern auch mit niedrigenergetischen Röntgenstrahlen bestrahlt werden kann. „Die Belastung des umgebenden, gesunden Gewebes, vor allem in Lunge, Herz und gesunder Brust, ist deutlich geringer“, sagt er.

Hintergrund:

Die neue Behandlungstechnik ist auch Thema beim Forum Gynäkologie am Samstag, 7. März, im Tagungszentrum Kulturbahnhof. Zu dem Forum, das Prof. Thomas Dimpfl und sein Team ausrichten, werden etwa 200 Ärzte erwartet. Informationen und Anmeldung unterwww.medicultus.de

Archivvideo: Brustkrebs durch richtiges Abtasten frühzeitig erkennen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.