Sanierung von Herkules und Löwenburg wird knapp

Sanierung von Herkules und Löwenburg wird knapp: Tuffstein geht zur Neige

Abbau mit Spezialsäge: Sechs Meter lang ist das Schwert der Maschine, mit der der Tuffstein am Kuhberg abgebaut wird. 8600 von insgesamt 10 000 Kubikmetern Tuff sind bereits abgebaut. Foto: Schachtschneider

Kassel. Die Menge an Tuffstein, die allein für die Sanierung der Großbauwerke Herkules und Löwenburg sowie der Wasserwege im Bergpark gebraucht wird, ist enorm. Am Kuhberg im Druseltal wird das Material noch bis zum Jahresende gewonnen. Dann lohnt sich hier der Abbau nicht mehr.

„Es bleibt noch eine kleine Reserve, dann ist Schluss“, sagt Thomas Täschner vom Hessischen Baumanagement, das für die Arbeiten im Bergpark verantwortlich ist. Vor sechs Jahren wurde der 1941 stillgelegte Steinbruch reaktiviert. Für den heimischen Tuffstein, den Landgraf Karl schon vor 300 Jahren abbauen ließ, gibt es weltweit keinen Ersatz, sagt der Geologe Wolfgang Stey. Derzeit wird geprüft, ob mittelfristig ein neuer Steinbruch im Habichtswald ausgewiesen werden kann. Tuffstein ist noch vorhanden.

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Das poröse Material entstand durch Vulkanausbrüche vor 15 Millionen Jahren. Dabei sind riesige Mengen Staub aufgewirbelt worden, die sich über einen langen Zeitraum abgesetzt haben. Aus diesem Staub ist Tuffstein entstanden.

Tiefe Schnitte

Die letzten Vorräte am Kuhberg werden nahezu bis auf den letzten Krümel genutzt. Mit einer Spezialsäge sind bis zu fünf Meter tiefe Schnitte in den Felsen möglich. Eine kleine Sprengung reicht dann, um eine Lage Tuff zu lösen. „Der Belag der Säge wurde eigens für unsere Bedürfnisse entwickelt“, sagt der Steinbruch-Unternehmer Bernhard Schubert. Die Mischung aus weichem Ton und sehr harten Basalteinschlüssen sei eine echte Herausforderung. 160.000 Euro hat die mobile Steinsäge gekostet.

Als der Herkules vor 300 Jahren gebaut wurde, gab es im Habichtswald noch Steinbrüche am Essigberg, am Dörnberg, an der Teufelsmauer, am Ahrensberg und einer anderen Stelle des Kuhbergs. All diese Steinbrüche existieren nicht mehr.

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Für die Sanierung der Mauern am Oktogon wird der Tuffstein als Originalbaumaterial ebenso verwendet wie für die Wasserwege im Park und große Teile der Löwenburg. Mit Unterstützung der Universität Kassel wurde zudem eine künstliche Tuffsteinmischung entwickelt, für die Reste des Abbruchmaterials verwertet werden können. Diese Mischung soll haltbarer als das Original sein und wird unter anderem für die Rekonstruktion des Hauptturms der Löwenburg verwendet.

Für die Arbeiten im Bergpark wurden bereits 8600 Kubikmeter Tuffstein benötigt. Am Ende werden es nach Schätzung der Fachleute 10.000 sein. Dafür reicht das Material aus dem Steinbruch am Kuhberg gerade so aus. Für weitere Sanierungen nicht.

Von Thomas Siemon

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