Beerdigung von Muslimen in weißem Tuch

Gesetzesänderung: Bald sarglose Bestattung möglich

Nach Mekka ausgerichtet: Auf dem Kasseler Westfriedhof gibt es ein muslimisches Gräberfeld mit über 100 Gräbern. Laut Friedhofsverwaltung sind die Verstorbenen dort bislang alle in einem Sarg beigesetzt worden. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Das Gros der in Kassel verstorbenen Muslime wird nach wie vor in seiner alten Heimat beerdigt. Ein Grund dafür könnte sein, dass die sarglose Bestattung bislang in Hessen nicht gestattet war.

Bei der klassischen muslimischen Bestattung wird die Leiche nur in ein weißes Tuch gehüllt und der Erde übergeben. Ein Sarg ist nicht vorgesehen. Damit Muslime auch dort beerdigt werden können, wo sie ihr Leben verbracht haben, ist das Hessische Bestattungsgesetz geändert worden. Aus „religiösen Gründen“ dürfen sarglose Bestattungen jetzt genehmigt werden. Allerdings liege die Entscheidung bei den Kommunen, ob sie das zulassen wollen, sagt Mark Kohlbecher, Sprecher des Hessischen Innenministeriums, das für das Gesetz zuständig ist.

Abstimmung im April

In Kassel sei bei dieser Frage noch eine Abstimmung zwischen dem Ordnungsamt als Genehmigungsbehörde, dem Gesundheitsamt, der Friedhofsverwaltung und Bestattern erforderlich, sagt Ingo Happel-Emrich, Sprecher der Stadt. Es müsse im April unter anderem geklärt werden, welche konkreten Regelungen die gesetzlich geforderte „gesundheitliche Unbedenklichkeit“ bei sarglosen Bestattungen erfordert.

Jürgen Werner

„Wir sind an dem Thema dran“, sagt Jürgen Werner, stellvertretender Leiter der Friedhofsverwaltung. Es gebe aber noch viele offene Fragen, abgesehen von dem Thema Infektionsgefahr. Ganz praktische Fragen: Wie werden Verstorbene ohne Sarg beigesetzt? Normalerweise wird ein Sarg von den Trägern mit Stricken in das Grab herabgelassen, sagt Werner. Wie soll das mit einem Leichnam gehandhabt werden, der nur in ein Tuch gehüllt ist?

Wie soll der Verbau aus Metallstäben, der für jedes Grab bei der Beerdigung erforderlich ist, anschließend wieder ausgebaut werden?, fragt Werner. Das geschehe von unten nach oben. Sei ein Sarg vorhanden, könnten sich die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung auf diesen stellen. Aus Gründen der Pietät verbiete sich das bei Leichen, die nur in einem Tuch eingehüllt sind.

Für die Friedhofsverwaltung sei es auch wichtig, auf welchen Personenkreis eine sarglose Bestattung begrenzt werden soll, sagt Werner. Die Voraussetzung „religiöse Gründe“ sei interpretierbar.

„Umsetzung ist schwierig“

Der Bestatterverband Hessen sieht auch einige Probleme. „Wir lehnen die sarglose Bestattung nicht ab, halten aber die Umsetzung für schwierig“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Guido Vaupel. Erklärten sich zum Beispiel die Träger bereit, den Leichnam für die Beisetzung aus dem Sarg zu nehmen oder müssten das die Angehörigen übernehmen?

Dass bei einer sarglosen Beisetzung die Angehörigen dennoch einen Sarg kaufen müssten, steht für den Bestatter außer Frage. Das Gesetz schreibe vor, dass ein Leichnam vom Sterbeort zum Friedhof nur in einem Sarg transportiert werden dürfe. Dieser müsse bei einer sarglosen Bestattung anschließend entsorgt werden. (use)

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