So teuer ist die Versorgung mit Fernwärme

Fernwärme-Ausbau in Kassel: Sauberer, aber auch günstiger?

Soll ab 2025 ohne Braunkohle auskommen: Im Fernwärmekraftwerk Kassel an der Dennhäuser Straße sollen künftig nur noch getrockneter Klärschlamm und Altholz verbrannt werden.
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Soll ab 2025 ohne Braunkohle auskommen: Im Fernwärmekraftwerk Kassel an der Dennhäuser Straße sollen künftig nur noch getrockneter Klärschlamm und Altholz verbrannt werden.

Das Kasseler Fernwärmenetz wollen die Städtischen Werke in den nächsten Jahren zügig erweitern. Aber welche Kosten kommen auf Verbraucher zu, wenn sie auf Fernwärme umsteigen?

Die Städtischen Werke wollen neue Kunden für die Fernwärme gewinnen, die eine bessere CO2-Bilanz aufweist als dezentrale Gas- und Ölheizungen. Damit würde eine Empfehlung des Klimaschutzrates umgesetzt. Ein Vergleich der Kosten:

Anschlusskosten

Die Anschlusskosten bei der Fernwärme sind sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig. „Eine pauschale Aussage lässt sich nicht treffen. Die Kosten werden zum Beispiel dadurch beeinflusst, ob in der Straße bereits eine Fernwärmeleitung liegt, wie viele Meter sie vom Haus entfernt ist, ob im Bestand oder Neubau verlegt wird, ob ein Haus angeschlossen wird oder ein gesamter Straßenzug“, so ein Sprecher der Städtischen Werke. Ganz grob könne man mit einigen tausend Euro kalkuliere, die sich bei Mehrparteienhäusern auf die Haushalte verteilten. Die Übergabestation, die statt einer eigenen Heizanlage installiert wird, kostet ungefähr 5000 Euro. Es gibt allerdings Fördermöglichkeiten über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Die Übergabestation benötigt zudem weniger Platz als ein Heizkessel.

Zum Vergleich: Ein neuer Heizkessel für Gas kostet bei einem Einfamilienhaus zwischen 4500 und 7000 Euro. Öl-Brennwertkessel sind etwas teurer. Hinzu kommen jeweils Kosten für den Einbau, sodass man bei 8000 bis 12 000 Euro landet. Die Anlagen müssen alle 15 bis 20 Jahre ausgetauscht werden.

Verbrauchskosten

Ein einfacher Vergleich zwischen Fernwärme und etwa Gas ist nicht ganz leicht. Denn Fernwärme hat einen höheren Wirkungsgrad. Deshalb liege der Erdgasverbrauch um den Faktor 1,33 höher als bei der Fernwärme, so ein Sprecher der Städtischen Werke.

Bewohner eines Einfamilienhauses verbrauchen im Schnitt knapp 15 000 kWh Fernwärme. Dafür müssen sie bei den Städtischen Werken ungefähr 1900 Euro pro Jahr bezahlen. Die Summe setzt sich aus den Verbrauchskosten (1080 Euro) und dem Grund- und Verrechnungspreis (820 Euro) zusammen.

Bei einer Gas-Heizung fallen für das Einfamilienhaus bei einem Jahresverbrauch von knapp 20 000 kWh nur etwa 1390 Euro an. Das heißt, die reinen Verbrauchskosten sind da günstiger.

Ähnlich ist es bei einer Modellrechnung für eine 70-Quadratmeter-Wohnung. Für eine solche sind bei einer Versorgung mit Fernwärme von den Städtischen Werken insgesamt etwa 890 Euro pro Jahr fällig, bei einem Verbrauch von 7500 kWh. Bei Gas sind es 780 Euro bei knapp 10 000 kWh.

Betriebskosten

Während die Verbrauchskosten bei der Fernwärme höher sind als bei Gas oder Öl, schneidet sie bei den Betriebskosten deutlich besser ab. Nutzer von Fernwärme sparen sich die jährlichen Kosten für den Schornsteinfeger und die Wartung des Heizkessels. Da können etwa 300 Euro pro Jahr zusammenkommen. Zudem muss mit Reparaturkosten – auch am Schornstein – gerechnet werden. Eine aufwendige Wartung ist bei der Fernwärme nicht nötig. Sie wird fertig ins Haus geliefert, es findet im Gebäude keine Verbrennung statt. Ein Schornstein wird nicht benötigt.

Die Empfehlung

Energieberater Norbert Muth hält den Umstieg auf Fernwärme für sinnvoll. Zumindest dann, wenn eine Gas- oder Ölheizung nach 15 bis 20 Jahren ihre Altersgrenze erreicht hat und ohnehin ausgetauscht werden muss. „Die Preise für Fernwärme werden langfristig stabil bleiben“, sagt Muth. Wegen der steigenden CO2-Bepreisung sei dies bei Öl und Gas nicht der Fall. Über einen Zeitraum von 20 Jahren rechne sich der Umstieg auf Fernwärme. Zwar seien die Verbrauchskosten aktuell noch höher, aber man spare bei den Installationskosten und der Wartung.

Energieberater Muth empfiehlt die Förderungen der Bafa und KfW zu nutzen. Den Anschluss an das Wärmenetz förderten beide mit einem 30- bis 35-prozentigen Zuschuss beziehungsweise Kredit (KfW). Die Höhe der Förderung richte sich nach dem Erneuerbare-Energien-Anteil in der Fernwärme. Bei einem mindestens 25-prozentigen Anteil sind es 30 Prozent, bei einem mindestens 55-prozentigen Anteil 35 Prozent. Die Kasseler Fernwärme hat einen Erneuerbare-Energien-Anteil von 35 Prozent. Wenn eine Ölheizung ersetzt wird, gibt es noch mal zehn Prozent Förderung oben drauf.

„Aber Fernwärme ist nicht nur wegen der langfristigen Kosten empfehlenswert. Der Kunde muss sich auch um nichts mehr kümmern. Wartung und so weiter fallen ja weg. Für Vermieter lohnt sich das fast immer“, so Muth. (Bastian Ludwig)

Informationen zur Fernwärme: Jörg Klingebiel, 0561 782 23 47, fernwaerme-hausanschluss@sw-kassel.de

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