Zähes Ende des Verfahrens

Prozess um Tötung von Mehtap Savasci: Urteil könnte am 16. Oktober fallen

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Die Suche nach Mehtap Savasci: Bevor die Leiche der getöteten Frau aus Kassel in einem Schrebergarten in Wiesbaden gefunden wurde, durchforstete die Bereitschaftspolizei den Wald an der A7.

Kassel. Kurz vor einem möglichen Abschluss wird der Mordprozess Savasci vor dem Kasseler Landgericht sehr schleppend und zäh. 

Der Vorsitzende Richter Volker Mütze stellte am Mittwoch zum wiederholten Mal klar, dass die Sechste Strafkammer keine Anhaltspunkte dafür habe, dass der 51-jährige Angeklagte Mitglied der türkischen Regierungspartei AKP ist.

Nichtsdestotrotz hält die Verteidigung des Mannes, dem vorgeworfen wird, seine Schwester Mehtap Savasci ermordet zu haben, hartnäckig an dieser Frage fest. Mit einem Beweisantrag will die Pflichtverteidigerin, die Anwältin Gabriele Steck-Bromme, klarstellen, dass ihr Mandant kein Mitglied der Partei von Präsident Erdogan ist. Dafür wollte sie zunächst gar den Generalkonsul der AKP vor das Landgericht vorladen lassen.

Mehtap Savasci

Gestern teilte die Verteidigerin nun mit, dass der Generalkonsul dafür wohl nicht von Ankara nach Kassel kommen werde. Mittlerweile habe sie mithilfe eines Übersetzers nämlich herausgefunden, dass die AKP keine Auskunft über Mitgliedschaften gebe. Allerdings gebe es die Möglichkeit, über eine andere Stelle in der Türkei herauszubekommen, dass ihr Mandant kein Parteimitglied sei. Diese Bescheinigung über eine Nichtmitgliedschaft will Steck-Bromme nun bis nächsten Montag vorlegen. Einen anderen Beweisantrag der Verteidigung, einen Ethnologen mit dem Fachgebiet Türkei beziehungsweise einen türkischen Psychologen als Gutachter zu bestellen, der ein Urlaubsfoto analysieren soll, hat die Sechste Strafkammer zurückgewiesen.

„Wir wissen nicht so genau, was wir daraus machen sollen“, erläuterte Mütze die Entscheidung. Das gestellte Foto zeigt den Angeklagten mit seiner Familie vor der Hagia Sophia in Istanbul. Alle Familienmitglieder sollen auf dem Foto lächeln. Die Kammer könne nicht nachvollziehen, welchen Bezug eine Analyse des Bildes zum Tatgeschehen, der Tötung von Mehtap Savasci, habe.

Ziel der Verteidigung ist es wohl, mit diesen Anträgen darzulegen, dass der Angeklagte weltoffen ist, und die Glaubwürdigkeit von Belastungszeugen zu erschüttern.

Plädoyers ab Montag?

Sollte die Beweisaufnahme tatsächlich am kommenden Montag beendet werden, würden im Anschluss Staatsanwältin Alena Hartwig-Asteroth und Anwältin Katharina Heinecke, die die Tochter der getöteten Mehtap Savasci in der Nebenklage vertritt, ihre Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit vortragen. Die Verteidigung würde dann ihre Abschlussvorträge am Donnerstag, 8. Oktober, halten.

Der Vorsitzende Richter hat angeregt, die Anklage auf den Vorwurf des Mordes zu beschränken. Dem stimmte die Staatsanwaltschaft zu. Ursprünglich angeklagt war der 51-Jährige auch wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz. Das Urteil würde dann wieder öffentlich verkündet, nach derzeitigen Planungen am Freitag, 16. Oktober, ab 15 Uhr.

Bislang hat der Angeklagte keine Eintragungen im Bundeszentralregister.

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