Onkel war "Oberboss der Familie"

Savascis Tochter schilderte vor Gericht Verschwinden der Mutter

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Unter großem Publikums- und Medieninteresse hat am Montag vor dem Kasseler Landgericht der Prozess zum Fall Mehtap Savasci begonnen: Der Bruder des Mordopfers, der in Untersuchungshaft sitzt, äußerte sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen. Die Beweise gegen ihn wiegen jedoch schwer. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Unser Bild entstand beim Prozessauftakt am Montag.

Kassel. Als ihr Onkel in den Gerichtssaal geführt wird, ringt die 18-jährige Tochter von Mehtap Savasci zunächst mit der Fassung.

Während die Anklage verlesen wird, kämpft sie mit den Tränen, scheint sich aber immer wieder zu zwingen, dem 51-Jährigen ins Gesicht zu schauen. Mit einem Blick, aus dem Verachtung spricht. Der älteste Bruder der Familie Savasci muss sich jetzt vor dem Kasseler Landgericht wegen Mordes an seiner Schwester Mehtap verantworten. 16 Verhandlungstage sind angesetzt.

Zum Auftakt am Montag, den neben etwa zehn Medienvertretern auch 50 Zuschauer verfolgten, sagte die Tochter des Opfers aus. Sie ist Nebenklägerin in dem Prozess. Im Zeugenstand wirkte die junge Frau klar und gefasst.

Sie schilderte, wie sie ihre Mutter am Morgen des 7. Oktober zum letzten Mal sah, „wie sie mit einem Apfel in der Hand und mit der Tasche durch den Flur balancierte“. In der Schule habe sie dann vom Handy der Mutter eine merkwürdige Nachricht bekommen – mit für sie untypischen Schreibfehlern und ohne ein sonst übliches Kosewort als Anrede. Die Nachrichten und Anrufversuche der Tochter, der die Sache komisch vorkam, gingen ins Leere. Als sie am Nachmittag nach Hause kam, habe sie bemerkt, dass das Auto der Mutter, mit dem diese immer zur Arbeit bei der Kasseler Ausländerbehörde fuhr, noch vor der Tür stand.

Doch die Mutter war nicht da und kam auch zur Feierabend-Zeit nicht heim. „Da habe ich immer mehr Panik bekommen“, sagen die 18-Jährige. Sie habe schnell „ein Bauchgefühl“ gehabt, dass ihr Onkel etwas mit dem Verschwinden der Mutter zu tun habe.

Drei Tage zuvor sei es in der Wohnung an der Pfeifferstraße zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen. Dabei habe ihr Onkel, den sie als „Oberboss der Familie“ bezeichnete, der Mutter Vorhaltungen gemacht, weil sie am Vortrag nicht zum traditionellen Bayram-Fest im Kreis der Familie gekommen war. Er habe zudem den Freund ihrer Mutter aus der Wohnung verwiesen, schilderte die Tochter.

Mehtap Savasci war seit über zehn Jahren geschieden und hatte seitdem mehrere neue Beziehungen. Seit sieben Jahren war sie mit einem ebenfalls türkischstämmigen, verheirateten Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis zusammen. Nach dem Verschwinden der Mutter habe ihr Onkel angespannt gewirkt, berichtete die 18-Jährige. Zudem sei Schmuck, den ihre Mutter jeden Tag trug, plötzlich wieder in der Schmuckschatulle gewesen, nachdem diese bereits einige Tage vermisst wurde. Davor sei ihr Onkel allein in der Wohnung gewesen. Der Angeklagte äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Er verfolgte aufmerksam und äußerlich gelassen die Verhandlung.

Prozess im Fall Mehtap Savasci - Bruder angeklagt

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