Geldbuße bis zu einer Höhe von 1000 Euro möglich

Schaden am Sandstein: Wildpinkler setzen dem Rathaus zu

Kassel. Männer sind Schweine – das besangen „Die Ärzte“ in ihrem Ohrwurm von 1998. Wirft man einen Blick auf die Fassade des Kasseler Rathauses, muss man der Berliner Band zustimmen. Denn der Sandstein des Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Gebäudes leidet unter Wildpinkelei.

Das sagte Rolf Müller, Bauleiter des Rathauses. Der Urin setze dem Sandstein zu, besonders am Flügel an der Wilhelmsstraße würden sich viele Wildpinkler erleichtern.

„Wildpinkeln ist grundsätzlich als Belästigung der Allgemeinheit zu werten und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar“, sagte Stadtsprecher Sascha Stiebing. Den Erwischten drohe bei erstmaligem Vergehen ein Verwarngeld oder eine Geldbuße. „Bei Erstfällen setzen wir die Geldbußen in der Regel über 50 Euro plus Verfahrenskosten in Höhe von zirka 23,50 Euro fest“, so Stiebing. Die Geldbuße könne jedoch bis zu einer Höhe von 1000 Euro verhängt werden.

Meist Männer die Übeltäter

Laut Stiebing handele es sich bei den Erwischten fast ausschließlich um Männer. Der Sprecher schätzt deren Anteil auf 95 Prozent. Die Übeltäter erleichtern sich dort, wo sie gerade sind: „Die Ordnungswidrigkeiten wurden im gesamten Stadtgebiet festgestellt.“ Als besonders prominente Pinkel-Plätze benannte Stiebing aber Friedrichsplatz, Martinsplatz, Lutherplatz und Weserstraße.

Mehr zum Kasseler Rathaus lesen Sie auch im Regiowiki der HNA.

Besonders häufig erleichtern sich die Menschen bei größeren Veranstaltungen. Beim Public Viewing zu Fußballveranstaltungen urinieren viele Männer an Hauswände. Auch Hauseingänge und Vorgärten sind häufig das Ziel der Wildpinkler, wie entnervte Anwohner etwa beim Zissel oder der Wehlheidener Kirmes immer wieder beklagen.

Daher betonte Stiebing, dass Kassel der Wildpinkelei aktiv entgegensteuere: „Bei größeren Veranstaltungen, zum Beispiel dem Zissel oder Public Viewing, werden mobile Toiletten aufgestellt.“ Außerdem halte das Ordnungsamt bei solchen Anlässen besonders Ausschau.

Die Zahl der Wildpinkler, die tatsächlich erwischt werden konnten, ist um etwa 75 Prozent zurückgegangen. Laut Stiebing waren es vergangenes Jahr 13 Bußgeldbescheide, die Kassel wegen Wildpinkelei ausgestellt hat. 2012 waren es mit 50 noch fast viermal so viel. Der Grund dürfte die in dem Jahr stattfindende Fußball-EM gewesen sein.

In der ähnlich großen Stadt Hagen (Nordrhein-Westfalen) wurden im vergangenen Jahr 38 Personen erwischt.

Von Matthias Hoffmann

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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