Schandmeile Kurt-Schumacher-Straße: Bald auch Fahrradgeschäft Neddermann weg

Trostloser Anblick: In dieser Passage sind schon die Fliesen von den Wänden gefallen.

Kassel. Von den neun Geschäften vor dem Hansa-Haus an der Kurt-Schumacher-Straße stehen sechs leer. Das Gebäudeensemble bietet einen trostlosen Anblick.

In dem großen Komplex hat die Stadt Kassel als Hauptmieter unter anderem Ordnungsamt, den Allgemeinen Sozialen Dienst, die Jugendgerichtshilfe, die Führerscheinstelle und das Fundbüro untergebracht. Am Zustand des Gebäudes könne man nichts ändern, heißt es bei der Stadt. „Das ist Privateigentum. Da sind uns die Hände gebunden.“

Was der Stadt bleibe, sei das Aufzeigen vom Möglichkeiten, was man daraus machen könnte, sagt der Leiter der Stadtplanung, Heinz Spangenberg. So könnten die Pavillons aufgestockt werden, um mehr Verkaufsfläche zu bieten. Doch: „Zwingen können wir den Eigentümer nicht.“

Eigentümer aus Frankfurt

Für die Häuserzeile zuständig ist die „Bubis Grundstückverwaltung GmbH“ in Frankfurt. Der verstorbene frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignaz Bubis, war ein großer Immobilien-Besitzer. Wie sich die Bubis Grundstückverwaltung die Zukunft der Häuser vorstellt, erfuhren wir nicht – auf eine entsprechende Anfrage gab es keine Reaktion.

Schön ist das nicht: Auch diese heruntergekommene Zeile gehört zu dem Gebäudekomplex, der die Kurt-Schumacher-Straße dominiert. Das Gebäude gehört einer Frankfurter Firma. Fotos: Schachtschneider

Sicher scheint, dass die Zukunft nicht rosig aussieht: Drei der Pavillons werden von dem Brautmodengeschäft „Traumbraut“, der Fahrschule Frank Giese und dem Fahrradfachgeschäft Neddermann genutzt. Doch Neddermann zieht zum Jahresende aus und eröffnet an der Leipziger Straße 208 ein neues Geschäft.

Das Hansa-Haus zu verlassen, sei ihm nach 49 Jahren am gleichen Ort nicht leichtgefallen, sagt Klaus Neddermann. Doch er wolle sein Geschäft erweitern, etwa die neuen Räder mit Elektroantrieb, die ein Renner seien, angemessen präsentieren zu können. Doch eine Erweiterung sei mit den Eigentümern nicht zu machen. Und auch sonst sei man auf taube Ohren gestoßen: „Hier wurde seit Jahren nicht investiert. Die Fenster haben nur einfache Verglasung, deshalb sind die Heizkosten sehr hoch.“ Ein Bekannter habe vorgehabt, in einem der leer stehenden Pavillons eine Backstube zu eröffnen. Doch auch der habe das Handtuch geworden.

Klaus Neddermann

Neddermann versteht nicht, warum die Stadt Kassel als Hauptmieter nicht auf die Eigentümer Druck macht. Das könne man nicht, heißt es im Rathaus: „Privateigentum ist vom Grundgesetz geschützt.“

Im Übrigen seien die Räume, in denen etwa das Ordnungsamt untergebracht ist, ordentlich renoviert. Um die Mietkosten möglichst gering zu halten, habe man langfristige Mietverträge abgeschlossen. Nach Informationen unserer Zeitung laufen die Verträge teilweise noch mehr als zehn Jahre.

Salzmann schafft Leerstand

Was aber, wenn die Pläne, mit einem Großteil der Rathausbehörden ins Salzmann-Gebäude zu ziehen, klappen? Steht dann das Hansa-Haus vollständig leer? „Erst mal abwarten“, heißt es bei der Stadt – falls aus Salzmann etwas wird, werde man Untermieter suchen. Eines ist aber auch für Stadtplaner Spangenberg klar: „Ein schöner Anblick ist das Hansa-Haus wirklich nicht.“

Von Frank Thonicke

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