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Schattenplatz unter der Spitzhacke in Kassel

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Hat viele glückliche Gäste: Mats Martinsohn, Leiter des Ahoi-Biergartens.
Hat viele glückliche Gäste: Mats Martinsohn, Leiter des Ahoi-Biergartens. © Malmus, Pia

Viele Kasseler sind für den Erhalt von Ahoi-Biergarten und Luftbad an der Fulda auch nach der documenta fifteen.

Kassel – Ungefähr zehn Mal am Tag wird Mats Martinsohn von Gästen gefragt, ob der Ahoi-Biergarten an der Fulda auch nach der documenta bleibt. „Wir wollen gern weitermachen. Wir sind nämlich richtig glücklich und dankbar, dass wir die Gastronomie am Wasser anbieten können“, sagt der gastronomische Leiter des Ahoi-Geländes.

Nicht nur Kunstliebhaber entspannen und erfrischen sich hier am Ufer des Blücherviertels zwischen den Besuchen der Ausstellungen. Auch viele Kasseler haben den Biergarten mit Bootsverleih für sich entdeckt und wollen ihn mittlerweile nicht mehr missen. Wie zum Beispiel Renate Klement, die im Blücherviertel wohnt. „Es ist schön, dass das Gelände wieder genutzt werden kann“, sagt Klement, als sie gestern Mittag mit ihrem Patensohn Mirko Mampel und dessen Töchtern Mileen und Marie am Fuldaufer sitzt. „Wir machen hier einen documenta-Schnuppertag für die Kinder“, sagt Mampel.

Viele Familien würden sich ihre Decken mitbringen und den ganzen Tag am Ufer verbringen, erzählt Martinsohn. Der Vorteil sei, dass man hier auch schattige Plätze unter den Bäumen finde. Auch der Bootsverleih sei gut angelaufen: Die Besucher haben die Wahl zwischen Tretbooten, Schwänen, Kanus, Kajaks und Stand-up-Paddle. Es kostet 15 Euro, wenn man sich ein Boot für 45 Minuten ausleiht.

Während am Ahoi-Gelände das Baden untersagt ist, sind gestern Mittag auf der anderen Seite einige Menschen zu sehen, die in die Fulda springen. Eine Frau hüpft sogar ganz nackt ins Wasser. Der elfjährige Clay Peak Morison aus Wales (Großbritannien) trägt allerdings eine Badehose, als er sich am Mittag eine Erfrischung in der Fulda holt. Er ist zusammen mit seiner Schwester und seinem Vater auf dem Weg zur documenta. Die Familie ist für zwei Tage auf den Kasseler Campingplatz gekommen, um sich die Ausstellung anzusehen. „Meine Frau und ich waren zum letzten Mal vor 20 Jahren hier, bevor die Kinder kamen“, erzählt Ivan Morison. Jetzt ist die gesamte Familie nach Kassel gereist. Sie seien überrascht, wie heiß es hier ist, sagt der Waliser.

Mit oder ohne documenta – die Studentinnen Laura Mangelsen und Lotte Peschke sonnen sich oft auf der Regattawiese. Gestern nutzten die beiden ein documenta-Kunstwerk als Schattenspender: Die Spitzhacke, die Claes Oldenburg anlässlich der documenta 7 im Jahr 1982 installiert hat. An dem Luftbad, das Kasseler Architekten zusammen mit der documenta fifteen dort errichtet haben, haben die jungen Frauen Gefallen gefunden. „Das muss unbedingt auch nach der documenta erhalten bleiben“, sagt Claudia Ehlig aus Kassel, die auf dem Steg des Luftbads sitzt. Ihr elfjährige Enkel Vincent aus Österreich ist gerade zu Besuch in Kassel. Die documenta hat sich der Enkel noch nicht angeschaut. „In dem Alter ist Schwimmen optimal“, sagt Claudia Ehlig. Vincent ist auch gerade aus der Fulda gekommen.

Am Eingang des Luftbads befindet sich seit dem Zissel ein Getränkestand, der von der Bar Koon und dem Hallenbad Ost betrieben wird. „Wir hoffen, dass sich das herumspricht und viele Leute zu uns kommen“, sagt Mitarbeiter Jeffrey Enguyen in der Mittagshitze. Er habe gehört, so erzählt er, dass das Luftbad auch nach der documenta bleiben solle.

Von der Stadt wird das aber nicht bestätigt. „Grundsätzlich sind die Einrichtungen der documenta auf die Zeit der documenta beschränkt. Ein Verbleib des Luftbads auf der Regattawiese ist bislang kein Thema“, so ein Sprecher der Stadt. (use)

Neues Angebot im Luftbad auf der Regattawiese: Jeffrey Enguyen (Bar Koon) verkauft Erfrischungen.
Neues Angebot im Luftbad auf der Regattawiese: Jeffrey Enguyen (Bar Koon) verkauft Erfrischungen. © Malmus, Pia
Ein documenta-Kunstwerk spendet Schatten: Die Studentinnen Laura Mangelsen und Lotto Peschke lagen gestern Mittag an der Spitzhacke auf de Regattawiese. Zwischendurch ging es zur Abkühlung in die Fulda.
Ein documenta-Kunstwerk spendet Schatten: Die Studentinnen Laura Mangelsen und Lotto Peschke lagen gestern Mittag an der Spitzhacke auf de Regattawiese. Zwischendurch ging es zur Abkühlung in die Fulda. © Pia Malmus
Sie wünschen sich, dass der Ahoi-Biergarten auch nach der documenta bleibt: (von links) Renate Klement, Mileen, Marie sowie Mirko Mampel aus Kassel.
Sie wünschen sich, dass der Ahoi-Biergarten auch nach der documenta bleibt: (von links) Renate Klement, Mileen, Marie sowie Mirko Mampel aus Kassel. © Malmus, Pia

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