1. Startseite
  2. Kassel

Kasseler Lichtkunstschau „Licht(e)Wege“ produziert eigene Energie

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christina Hein

Kommentare

Günter Schleiff (links) und Sebastian Schulze-von Hanxleden sind vom nachhaltigen Energiekonzept für die Lichtkunstschau „Lichte Wege“ überzeugt. Im Hintergrund die Photovoltaik-Module auf den Grundmauern des ehemaligen Gewächshauses.
Autarke Veranstaltung: Günter Schleiff (links) und Sebastian Schulze-von Hanxleden sind vom nachhaltigen Energiekonzept für die Lichtkunstschau „Lichte Wege“ überzeugt. Im Hintergrund rechts sind die Photovoltaik-Module auf den Mauern des ehemaligen Gewächshauses zu sehen. © Christina Hein

Die Licht-Ausstellung „Licht(e)Wege“ in Kassel auf dem Weinberg erzeugt ihren Solarstrom selbst.

Es ist Großes und Bemerkenswertes, was zurzeit auf dem Weinberg passiert. Dass eine Lichtkunstschau mit 15 zum Teil monumentalen Werken den Strom, den sie verbraucht, regenerativ und umweltfreundlich selbst produziert, dürfte weltweit einmalig sein. Es geschieht für alle sichtbar an exponierter Stelle mitten im Ausstellungsareal.

Kassel. „Das hat es so noch nirgendwo gegeben.“ Davon sind Günter Schleiff und Sebastian Schulze-von Hanxleden vom Verein „Bewegungsperspektiven für Kunst und Kultur“, der die „Lichten Wege“ auf dem Weinberg in diesem Jahr erstmals ausrichtet, überzeugt.

Zufrieden blicken die Fachmänner mit einer Menge an Solarerfahrungen – Schleiff ist Architekt und Schulze- von Hanxleden Geschäftsführer der Veranstaltungsfirma Ton Direkt – auf die 70 Solarmodule, insgesamt 110 Quadratmeter Fläche. Sie liegen plan auf den Mauern der alten Gewächshäuser des Henschel-Gartens.

Eine spezielle Ausrichtung sei gar nicht notwendig. „Und es sieht schön aus“, findet Günter Schleiff. Abends schimmern die Module blau, weshalb die Ausstellungsmacher gern das Bild von einem „See“ verwenden, der die Sonne tagsüber speichert, um sie nach Anbruch der Dunkelheit wieder an die Kunst und ihr nachtschwärmerisches Publikum abzugeben. Die temporäre Gastronomie wird ebenfalls mit dem regenerativen Strom versorgt.

Auch wenn die Anlage den eindrucksvollen Kunstwerken nicht den Rang ablaufen kann und soll, so ist sie doch der heimliche Star. Man kann sie vom Grimmwelt-Areal aus gut – sogar kostenlos – in Augenschein nehmen.

„Theoretisch könnten wir überschüssige Kapazitäten, die wir nicht benötigen, ins Netz einspeisen – kostenlos“, sagt Schulze-von Hanxleden. Aber weil es sich um eine temporäre Anlage handelt, die nur hundert Tage lang arbeitet, schiebt das Energieeinspeisegesetz hier einen Riegel vor.

Hier leuchtet Marc Judors „Hidden Reality“.
Energie für Kunst: Hier leuchtet Marc Judors „Hidden Reality“. © Andreas Fischer

Eindrucksvoll sind die Daten, die Schulze-von Hanxleden zur Überwachung der Anlage über eine App auf sein Handy übertragen bekommt. Täglich sind es 58 Kilowattstunden Strom, die erzeugt werden. Zum Vergleich: zehn Stunden Fernsehschauen verbraucht eine Kilowattstunde.

In den Katakomben des ehemaligen Gewächshauses befindet sich die Technik: der 20-Kilowatt-Speicher und zwei Wechselrichter, die den Speicher versorgen und die Anlage regeln. Unterstützung erhält der Verein Bewegungsperspektiven von Sponsoren wie den Solarfirmen SMA und Perlutec aus Göttingen sowie von den Städtischen Werken.

Und so zeigt die Schau Lichte Wege 20 Jahre nach ihrer ersten Ausgabe auf dem Weinberg wie die Zukunft aussehen sollte und kann: nachhaltig. „Wir wollten beweisen, dass es geht, eine autarke Ausstellung auf die Beine zu stellen“, so Schulze-von Hanxleden. Dieser Beweis wird glänzend erbracht.

Infos: Lichte Wege bis 17. September täglich 18 bis 24 Uhr, Eintritt 9, ermäßigt 5, Dauerkarte 25 Euro, Kinder bis 12 frei.

lichtewege.com

Auch interessant

Kommentare