Ausstellungseröffnung: Im späten 19. Jahrhundert baute Landgraf Wilhelm IX. im Bergpark Wilhelmshöhe eine neogotische Ruine

Schau zeigt den Mythos Löwenburg

Das Ergebnis der Sammelleidenschaft Wilhelms IX: Besucher der Ausstellung betrachten Waffen aus der Rüstkammer der Löwenburg. Fotos: Koch

Kassel. „Der Nebelvorhang von heute Morgen hat sich gelichtet und gibt jetzt den Blick auf die prächtige Löwenburg frei.“ Professor Bernd Küster, Chef der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), konnte es sich am Donnerstag nicht verkneifen - dem Thema entsprechend - schwärmerische Worte zu wählen.

Er eröffnete im Schloss Wilhelmshöhe die Ausstellung „Die Löwenburg - Mythos und Geschichte“. Sie ist dort im Sonderausstellungsraum im zweiten Stock noch bis zum 13. Januar 2013 zu sehen. Betrachtet werden können Gemälde, Zeichnungen und Objekte aus der Burg.

Ausstellung über Mythos und Geschichte der Löwenburg

Die Löwenburg im RegioWiki

Sie zeigen den außergewöhnlichen Entstehungsprozess des Bauwerks und dokumentieren seine kunsthistorische Bedeutung. Gleichzeitig ordnet die Ausstellung die Löwenburg in ihrer Entstehungszeit einer historisierenden Romantik ein. Wie es im späten 19. Jahrhundert modern war, huldigt und verklärt auch die Löwenburg das Mittelalter. Landgraf Wilhelm IX. von Hessen Kassel (1742 - 1821) ließ sie zwischen 1793 und 1801 im Bergpark Wilhelmshöhe zum Teil als künstliche Ruine errichten. Zunächst nur als Turm mit Nebengebäude geplant, entstand nach und nach eine komplette Burganlage. Das von Hofarchitekten Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825) als pseudomittelalterliche Burg gebaute Bauwerk war für Wilhelm IX. mehr als nur ein Traumschloss: Er ließ sich dort auch beisetzen. Sebastian Schulze, der für die Ausstellung verantwortlich ist, bezeichnet die Löwenburg als ein „bedeutendes kulturhistorisches Phänomen“.

Die Ausstellung läutet große Veränderungen ein: Im nächsten Jahr beginnen die Arbeiten zur Generalsanierung der Löwenburg. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst investiert 25 Millionen Euro, unter anderem, um den im Zweiten Weltkrieg zestörten Bergfried, den Hauptturm des Gebäudes, wieder aufzubauen. 100 000 Euro hat der Museumsverein durch eine Stifteraktion aufgebracht.

Das Original-Mobiliar aus der Löwenburg, darunter das Paradebett Moritz des Gelehrten und die Rüstkammer mit Waffen, ist zum größten Teil erhalten und wird jetzt renoviert. „Die Kasseler erhalten 2016, wenn die Arbeiten abgeschlossen und die Räume eingerichtet sind, ein Wahrzeichen ihrer Stadt zurück und zwar schöner denn je“, verspricht Küster. Er betont, dass die Löwenburg während der gesamten Sanierungszeit für Besucher geöffnet sein wird.

Von Christina Hein

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