Aufgewachsen in Kassel

Ein ganz Großer tritt ab: Schauspieler Otto Sander tot

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Otto Sander wurde 72 Jahre alt.

Kassel/Berlin. Der Schauspieler Otto Sander ist tot. Er sei heute im Alter von 72 Jahren in Berlin gestorben, teilte die Künstleragentur Meistersinger am Donnerstag im Namen seiner Familie mit.

Mindestens so sehr wie sein ausdrucksvolles Gesicht wird diese Stimme in Erinnerung bleiben: Sie war etwas rau, dabei kraftvoll brustig und verlieh seinen Worten klare Konturen. Otto Sander, der am Donnerstag im Alter von 72 Jahren in Berlin starb, war einer der großen deutschen Darsteller im Film, im Fernsehen, auf der Theaterbühne und auch im Hörspiel. 

Zu seinen unvergesslichen Filmrollen gehört der Engel Cassiel in Wim Wenders’ „Der Himmel über Berlin“ an der Seite von Bruno Ganz, der ständig betrunkene Trompeter Meyn in Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“ und der Kapitänleutnant Thomsen in Wolfgang Petersens „Das Boot“

Otto Sander im Video
- Szene aus "Das Boot"
- Otto Sander mit Peter Falk in "Faraway, so close!"

Einen Tag vor seinem Tod war Sander in Kassel, der Stadt seiner Jugend, noch im Film präsent. Im Bali-Kino wurde der Kassel-Krimi „Tödliches Vertrauen“ gezeigt, in dem Sander einen Rentner spielt. Kassel war für den 1941 in Hannover geborenen Sohn eines Ingenieurs die eigentliche Heimatstadt. Hier lebte er seit Anfang der 50er-Jahre im Stadtteil Bettenhausen, besuchte das Friedrichsgymnasium, wo er in der Theater-AG mitwirkte. 

Am Kasseler Staatstheater hatte er seinen ersten Auftritt als Statist in Shakespeares „Hamlet“. Nach dem Abitur 1961 zog es Sander nach München, wo er Theaterwissenschaften studierte und eine Schauspielausbildung machte. 

Sein erstes Engagement führte ihn nach Düsseldorf. Die größte Zeit als Theaterschauspieler erlebte er in den 70er-Jahren an der Berliner Schaubühne zusammen mit dem Regisseur Peter Stein und Schauspielerkollegen wie Bruno Ganz, Edith Clever und Angela Winkler. 

Sander betätigte sich zunehmend auch selbst als Regisseur, er wirkte in mehr als 50 Kino- und Fernsehproduktionen mit. Als Synchronsprecher lieh er unter anderem Dustin Hoffman seine Stimme. 

Sander, der in Berlin lebte, war seit 1973 mit der Schauspielerin Monika Hansen liiert. Mit der Heirat 1985 wurde er zum Ziehvater der Schauspieler Ben und Meret Becker. 

Nachdem er 2007 an Krebs erkrankt war, wurde es etwa stiller um Otto Sander. Doch noch in diesem Jahr war Sander in neuen Folgen von „Polizeiruf 110“ und „Soko Wien“ zu erleben. Sander erhielt zahlreiche Ehrungen, unter anderem wurde er 1999 zum Schauspieler des Jahres gewählt.

Von Werner Fritsch

FILM:

- „In weiter Ferne, so nah“ (1993) und „Der Himmel über Berlin“ (1987): Für Regisseur Wim Wenders spielt Sander einen Engel, der aus Liebe zu einer Frau ein Erdenleben beginnt.

- „Die Geduld der Rosa L.“ (1986): In Margarethe von Trottas hochgelobtem Film hat Sander die Rolle des Karl Liebknecht.

- „Das Boot“ (1981): Als Ritterkreuzträger Thomsen in Wolfgang Petersens Werk wird Sander international bekannt.

- „Die Blechtrommel“ (1979): Sander spielt den ewig betrunkenen Trompeter Meyn.

THEATER:

- „Das letzte Band“ (2006): In Becketts Solostück überzeugt Sander als zweifelnder alter Mann.

- „Der Hauptmann von Köpenick“ (2004): Sander brilliert als mehr tragischer denn komischer Hauptmann.

- „Kuss des Vergessens“ (1999): Für seine Rolle wird er zum Schauspieler des Jahres gewählt, zum zweiten Mal nach 1979.

- „Joel Brand“ (1966): Sanders Bühnendebüt an den Düsseldorfer Kammerspielen.

FERNSEHEN:

- „Polizeiruf 110“ (1994-2005): Mit seinem Stiefsohn Ben Becker stand Sander mehrfach für die ARD-Krimireihe vor der Kamera. (dpa)

Fotos: Sanders Leben in Bildern

Otto Sander ist tot: Sein Leben in Bildern

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