Betroffene wollen nur Vergünstigungen

Uni Kassel: Scheinstudenten haben leichtes Spiel

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Kaum da, schon wieder weg: Scheinstudenten erscheinen nur zur Einschreibung auf dem Campus - und vielleicht noch zum Mittagessen in der Mensa.

Kassel. Auf dem Campus kennt sie niemand, Prüfungsstress ist ihnen fremd, und mit überfüllten Hörsälen haben sie kein Problem: Scheinstudenten.

Dabei handelt es sich um Personen, die sich nur deshalb an der Uni einschreiben, um günstig mit Bus, Tram, Zügen sowie den Konrad-Leihrädern zu fahren, in den Genuss von Studenten-Rabatten zu kommen und für wenig Geld in der Mensa zu essen. An der Uni Kassel haben sie es gut, denn dort gibt es im Unterschied zu anderen Hochschulen keine Überprüfung, die den Betrug auffliegen lassen könnte.

Es ist eine einfache Rechnung: Wer sich an der Uni Kassel immatrikuliert, zahlt einen Semesterbeitrag von 251 Euro. Dafür fährt er sechs Monate lang umsonst im Gebiet des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) mit Bus, Straßenbahn und Zug. Frei sind auch Fahrten mit Regionalbahnen nach Eisenach, Paderborn, Göttingen und Fulda.

Sebastian Mense

Wer hingegen regulär eine Monatskarte kauft, die dann beispielsweise nur für Kassel und das Umland (Kassel-Plus) gilt, zahlt monatlich 69 Euro, im halben Jahr sind das 414 Euro. Selbst die Jahreskarte ist in dieser Tarifstufe mit 690 Euro teurer als zwei Semesterbeiträge. Sebastian Mense, Sprecher der Uni Kassel, glaubt dennoch, dass nur wenige diese Vorteile nutzen, ohne tatsächlich zu studieren. „Wir halten es für eine Randerscheinung.“ Tatsächlich fänden aber keine Kontrollen dahingehend statt, ob jemand Prüfungsleistungen erbringt - sprich, ein ernsthaftes Studium verfolgt. Selbst Personen, die ohne Begründung die veranschlagte Fachsemesterzahl deutlich überschreiten, würden nicht zwangsweise exmatrikuliert.

Derzeit, so Mense, seien 388 Personen schon über 19 Fachsemester eingeschrieben. Aber auch diese seien nicht unter Generalverdacht zu stellen - persönliche Gründe, wie etwa die Geburt von Kindern, könnten die Ursache sein.

Überdies wirke sich das Phänomen nicht negativ auf die Hochschule aus, sagt Mense. Es sei nur dann ein Problem, wenn in einzelnen Fachbereichen der Anteil der Scheinstudenten sehr hoch wäre. Dies führt dann dazu, dass das Budget der Uni nicht entsprechend des Bedarfs verteilt wird. Aber selbst aus zulassungsfreien Studiengängen sei noch nie die Rückmeldung gekommen, dass die Sitzreihen leer bleiben, obwohl sie nach den Einschreibungszahlen voll sein müssten.

An den Unis Göttingen und Marburg sind die Regeln strenger. Dort behalten die Fakultäten im Auge, ob die Eingeschriebenen die Fachsemester einhalten und Leistungen erbringen. Andernfalls wird das Gespräch gesucht - in mehreren Fakultäten droht sogar die Exmatrikulation.

Von Bastian Ludwig

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