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Gedenkveranstaltung in Kassel erinnert an Bücherverbrennung der Nationalsozialisten vor 89 Jahren

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Von: Thomas Siemon

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Tatort Friedrichsplatz: Die Aufnahme entstand bei der Bücherverbrennung am 19. Mai 1933. Geschätzte 2000 Bücher von verfemten Autoren gingen damals in Flammen auf. Archi
Tatort Friedrichsplatz: Die Aufnahme entstand bei der Bücherverbrennung am 19. Mai 1933. Geschätzte 2000 Bücher von verfemten Autoren gingen damals in Flammen auf. Archi © Carl Eberth

Am 19. Mai 1933 haben Nationalsozialisten auf dem Kasseler Friedrichsplatz Bücher verbrannt: Werke von Kurt Tucholsky, Thomas Mann, Bertha-von-Suttner. Heute erinnert eine Gedenkveranstaltung an den Tag.

Wer heute über den Friedrichsplatz geht und für eine kleine Auszeit eine der roten Bänke nutzt, kann sich das wahrscheinlich kaum vorstellen. Aber am Abend des 19. Mai 1933, also vor genau 89 Jahren, brannten hier auf einem Scheiterhaufen Bücher. Werke von Kurt Tucholsky, von Thomas Mann, Bertha-von-Suttner und vielen anderen. Geschätzte 2000 Bücher wurden hier wie in vielen anderen Städten von den Nationalsozialisten unter dem Motto „Ungeist auf den Scheiterhaufen“ in Brand gesteckt. Daran wird heute ab 18.30 Uhr mit einer Gedenkveranstaltung erinnert. Seit 2006 organisieren Birgitt und Gerd Möller vom SPD-Ortsverein Altkassel-Bettenhausen diese Veranstaltung.

Rückblick: Künstlerin Marta Minujín 2017 vor dem Parthenon der verbotenen Bücher.
Rückblick: Künstlerin Marta Minujín 2017 vor dem Parthenon der verbotenen Bücher. © Pia Malmus

In einem documenta-Jahr hat die eine besondere Aktualität. Die dunklen Säulen des Fridericianums sind bereits ein Vorbote. Vor fünf Jahren gehörte der Parthenon der verbotenen Bücher zu den spektakulärsten Kunstwerken der Ausstellung. Hier hingen zum Schluss in einer dem Athener Parthenon nachempfundenen Metallkonstruktion 60 000 Bücher, die aus unterschiedlichen Gründen schon einmal verboten waren oder es noch sind.

Die Organisatoren: Gerd und Birgitt Möller erinnern seit 2006 an die Bücherverbrennung. Archi
Die Organisatoren: Gerd und Birgitt Möller erinnern seit 2006 an die Bücherverbrennung. Archi © Axel Schwarz

Die aktuelle Gedenkveranstaltung werde von den schrecklichen Bildern des Angriffskrieges auf die Ukraine überschattet, so die Initiatoren. Auch deshalb wolle man an Menschen und Ereignisse erinnern, die den Weg zur Bücherverbrennung und deren Folgen vorzeichneten. Der Autor Emil Julius Gumbel – auch seine Bücher wurden 1933 verbrannt – habe die Ermordung des liberalen Politikers Walther Rathenau durch Rechtsradikale im Jahr 1922 schon zwei Jahre später aufgearbeitet. Bei diesem Fall gebe es durchaus Parallelen zur Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Jahr 2019.

Aus dem Buch von Julius Gumbel soll ebenso vorgelesen werden wie aus Werken des Friedensnobelpreisträgers Carl von Ossietzky, von Stefan Zweig, Alfred Kantorowicz und Ricarda Huch. Das übernehmen Schülerinnen und Schüler des Friedrichsgymnasiums, die von Studierenden der Kasseler Universität unterstützt werden. Erstmals sorgt das Friedrichsgymnasium auch für die musikalische Gestaltung. An einem Stand werden Bücher der verfemten Autoren von damals angeboten.

Der Offene Kanal Kassel überträgt die Veranstaltung ab 18.30 Uhr (Sendeplatz 391 und Livestream unter mok-kassel.de)

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