Monte Cassino in Italien

Zeitzeuge erinnert sich an eine der schlimmsten Schlachten des 2. Weltkriegs

Dr. Klaus Fiedler

Vor 70 Jahren fand die nach Stalingrad größte und verlustreichste Schlacht des 2. Weltkriegs am Monte Cassino in Italien statt. Der 89-jährige Zeitzeuge Dr. Klaus Fiedler aus Kassel erinnert sich an den 15. Februar 1944, an dem das Kloster bombardiert wurde.

Kassel. Das kleine, schwarze Büchlein hat ihn den ganzen Krieg hindurch begleitet. „Ich hatte das Neue Testament immer in der Brusttasche“, sagt Dr. Klaus Fiedler (89). Das Grauen der Schlacht am Monte Cassino vor 70 Jahren könne man eigentlich gar nicht schildern, ist er überzeugt.

Als Christ habe er immer gehofft und gebetet, dass er die ungezählten Granaten- und Bombeneinschläge überleben würde. Der damals 19-Jährige war zunächst Melder in der 7. Kompanie des Panzergrenadierregimentes 8. Einen halben Tag war er zu Fuß zwischen den im Gebirge stationierten Soldaten und den Einheiten im Tal unterwegs. Die Kälte im Januar und Februar sei schlimm gewesen.

In den vier Monaten von Mitte Januar bis Mitte Mai 1944 kamen 55 000 alliierte und 20 000 deutsche Soldaten ums Leben. Der Angriff, der bis heute am umstrittensten ist, fand am 15. Februar 1944, also vor genau 70 Jahren, statt. „Den hätte es eigentlich nicht geben dürfen“, sagt Klaus Fiedler. Das Kloster aus dem sechsten Jahrhundert am Monte Cassino sollte nicht in die Kampfhandlungen einbezogen werden.

Die wertvollen Gemälde - unter anderem von Tizian, Raffael und Leonardo da Vinci - sowie kostbare Bücher und die Baupläne des Klosters waren bereits nach Rom in Sicherheit gebracht worden. „Das hat Oberstleutnant Julius Schlegel auf eigene Verantwortung organisiert, an ihn erinnert heute eine Büste auf dem Soldatenfriedhof“, sagt Klaus Fiedler. Es gab die Zusicherung, dass sich in dem Kloster keine deutschen Soldaten befanden.

Neuseeländer und Amerikaner, die hier kämpften, glaubten das jedoch nicht. „Dann kamen die Bomber, es nahm kein Ende“, erinnert sich Klaus Fiedler. 220 amerikanische Flugzeuge bombardierten stundenlang eine leer stehende Klosteranlage sowie die Stellungen der Deutschen in den Bergen. „Es war furchtbar, die vielen Toten ins Tal zu bringen“, sagt Fiedler.

Er hat diesen schweren Angriff und viele weitere überlebt. Nach einer Verletzung, die er sich bei einem Sturz zuzog, kam er ins Lazarett. Nach dem Krieg flüchteten seine Eltern, die in Frankfurt an der Oder lebten, nach Nordhessen zu einer Verwandten. Klaus Fiedler studierte in Marburg und war mehr als drei Jahrzehnte Lehrer an der Heinrich-Schütz-Schule.

Zum Monte Cassino ist er mehrmals mit dem Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge zurückgekehrt. Den deutschen Soldatenfriedhof mit seinen 20 000 Gräbern sowie die Friedhöfe der Alliierten sieht er als Mahnmale. Er ist froh, dass die Baupläne des Klosters in Sicherheit waren. Der Wiederaufbau ist für ihn ein Zeichen der Versöhnung.

Hintergrund

75 000 Tote in vier Monaten

Im September 1943 landeten die alliierten Streitkräfte von Nordafrika kommend auf dem italienischen Festland. Auf dem Weg nach Rom mussten sie die bis zu 2000 Meter hohen Abruzzen überwinden. Die einzige Straße, die auch mit schweren Fahrzeugen und Panzern befahren werden konnte, führte durch die Stadt Cassino, über der sich der Monte Cassino erhebt. Deutsche Truppen versperrten hier den direkten Weg nach Rom.

Bei der erbitterten Schlacht von Monte Cassino, die vom 17. Januar bis zum 18. Mai 1944 dauerte, kämpften bis zu 185 000 Soldaten. Die deutschen Truppen waren an Menschen und Material deutlich unterlegen, konnten den Vormarsch aber lange aufhalten. Auf den Soldatenfriedhöfen unterhalb des Monte Cassino liegen 55 000 alliierte Soldaten aus 20 beteiligten Ländern sowie 20 000 deutsche Soldaten. (tos)

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